Inktober 2021 – Tag 12 Feststecken

Inktober 2021 – Tag 12 Feststecken

Feststecken

Der Schlüssel steckte fest. Er war weder links noch rechts rum zu drehen. Er steckte einfach fest.

Verdammt.

Wieso musste ihm das passieren? Ausgerechnet ihm.

Das war das peinlichste, was passieren konnte.

Er war der verdammt beste Tresorknacker auf der nördlichen Halbkugel und er kam jetzt nicht in die Wohnung hinein, weil dieser vermaledeite Schlüssel klemmte. Das war jetzt nicht wahr.

Er musste in diese Wohnung, um die Beweise zu vernichten. Er konnte hier nicht ewig auf dem Flur rumstehen. Er konnte aber auch nicht einfach die Tür eintreten, das hätte noch mehr Aufsehen erregt. Der Concierge hatte ihm schon nicht geglaubt. Das hatte er ganz genau gespürt. Es war auch der richtige Schlüssel. Es gab schließlich nur einen. Und dieser hier hatte sogar diesen albernen Schlüsselanhänger in Form eines Pokemons. Dieses gelbe, das überall war. Er hatte den Namen vergessen. Aber jetzt schaute er das Pokemon böse an. Warum ließ sich der Schlüssel nicht bewegen. Er war erst vor einem halben Tag hier gewesen und da hatte noch alles funktioniert. Die Überwachung zeigte, dass niemand in die Wohnung gegangen war. Es gab also keine Möglichkeit, dass das Schloss ausgetauscht worden war oder ähnliches. Sein Werkzeug konnte er vergessen, denn dafür brauchte er das Schlüsselloch.

Das war aber nun mit dem passenden Schlüssel befüllt.

Der sich nicht drehen lassen wollte.

Er ließ sich auch nicht mehr herausziehen.

Als wäre Sekundenkleber in dem Türschloss gewesen und ließ nun seine Beute nicht mehr los.

Er rollte mit den Schultern, versuchte seinen verspannten Nacken zu lockern und atmete tief ein und aus. Er überlegte. Es gab nicht viele Möglichkeiten. Er konnte den Schlüssel stecken lassen, sich umdrehen und die Beweise zurück lassen. Dann müsste er schleunigst einen neuen Plan aufstellen. Einen Plan, der eine sofortige – wirklich sofortige – Flucht einschloss. Damit wäre es das mit der Nordhalbkugel gewesen. Und das wäre doof. Denn auch heute gab es noch die meisten Tresore auf der Nordhalbkugel. Im Süden gab es zwar auch andere interessante Beutedinge. Aber er war ja nicht ohne Grund, der beste Tresorknacker geworden. Er mochte Tresore. Sie waren so filigran, obwohl sie gar nicht danach aussahen. Ein bisschen wie er selbst.

Die andere Möglichkeit war, dass er doch die Tür eintrat, damit Lärm verursachte, womöglich den geheimen Alarm auslöste, sich die Beweise holte und dann beim Rausgehen von der Polizei geschnappt wurde. Die hatten es schließlich nicht weit. Die saßen schräg gegenüber. Das war schon ein elender Auftrag gewesen, bevor er überhaupt angefangen hatte.

Also, was jetzt? Pest oder Cholera?

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