Inktober 2021 – Tag 17 Kollidieren

Inktober 2021 – Tag 17 Kollidieren

Kollidieren

Der Countdown lief. Es waren noch 60 Sekunden. Dann würde der Meteorit einschlagen.

Sie beobachteten alle gespannt und auch ängstlich die Flugbahn. Etwas anderes blieb ihnen auch nicht übrig. Die Abfangmaßnahmen hatten alle nicht funktioniert. Der Meteorit würde auf den Mond treffen. Auf ihn aufschlagen. Mit ihm kollidieren.

Was dann passieren würde, das stand in den Sternen. Ein Meteorit von dieser Größe, es war möglich, dass der Mond zerstört würde. Es war möglich, dass der Mond stabil genug war und nur eine Delle bekam. Es war im Grunde genommen alles möglich.

Das war es, was sie alle so nervös machte. Sie hatten Computer, sie hatten Forschungen, sie hatten Zahlen. Sie konnten auf die Millisekunde den Einschlag berechnen und wo genau er stattfinden würde. Aber sie konnte es nicht verhindern. Die Abfangrakete war einfach an dem Meteoriten zerschellt. Ein Puff und sie war weg. Der Meteorit hatte noch nicht einmal geschwankt. Sie hatten gehofft, dass die Rakete zumindest die Flugbahn um 1 Grad verändern würde. Das hätte gereicht. Aber der Effekt war wie der einer Fliege auf das Kennzeichen eines fahrenden Autos auf der Autobahn. Es hatte keinerlei Effekt.

Dieser Meteorit hatte eine völlig andere Zusammensetzung als alles bisher Dagewesene. Er stellte eine Bedrohung dar, die man nicht fassen konnte. Und keiner wusste, was sie tun konnten.

Was würde passieren, wenn der Mond zerstört würde? Die Erde würde sich schneller drehen. Das wussten sie. Das hätte massive Auswirkungen auf das gesamte Leben auf der Erde. Er wollte sich diese Szenerie gar nicht vorstellen. Es war zu unglaublich.

Sahen sie hier ihrem eigenen Untergang zu?

Möglich.

Und keiner machte etwas.

Alle Versuche waren gescheitert.

Superhelden gab es nicht. Götter sowieso nicht.

Keiner konnte ihnen mehr helfen.

Die Nachrichtensender verfolgten das Schauspiel am Himmel. Man brauchte schon seit einer Woche kein teures Teleskop mehr. Die Kollision war DAS Thema. Es gab nichts anderes mehr.

Der Timer sprang auf 29 Sekunden.

Jetzt folgten alle 5 Sekunden die verbale Ankündigung durch den Computer.

Seine Gedanken schweiften ab. Er fragte sich, warum er nicht mehr in seinem Leben gemacht hatte. Warum hatte er Lisa nie gesagt, was er für sie empfand? Das war ziemlich blöd gewesen. Jetzt hatte er vielleicht keine Chance mehr.

Noch 20 Sekunden.

Er hätte nicht alles auf morgen verschieben sollen. Viel zu viele kostbare Lebenszeit ist für Pläne machen und Netflix schauen draufgegangen.

13 Sekunden.

Er dachte an die unsinnig vielen Stunden, in denen er über den perfekten Begrüßungssatz nachgegrübelt hatte. Ein einfaches Hallo hätte vielleicht ausgereicht.

5 Sekunden.

Jetzt war es zu spät. Er hoffte das beste für den Mond. Aber das hier war so ein Moment, in dem alles auf dem Spiel stand. Und nach Murphys Gesetz konnte das nur schief gehen.

1 Sekunde.

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