Inktober 2021 – Tag 18 Mond

Inktober 2021 – Tag 18 Mond

Mond

Es war das Tattoo. Das irritierte sie. Das Tattoo zeigte den Ablauf der Mondphasen. Das Tattoo war vorher noch nicht da gewesen. Das Tattoo war einfach so aufgetaucht. Sie überlegte angestrengt. Was wusste sie von dem letzten Abend? Sie wusste alles. Sie hatte weder zu viel getrunken, noch irgendwelche Substanzen geraucht oder eingenommen. Es war ein völlig langweiliger Dienstagabend gewesen. Sie hatte ein bisschen Netflix geschaut und war dann ins Bett gegangen. Die letzten Schichten steckten ihr noch in den Knochen. Sie war müde gewesen. Sie hatte noch die Katze gefüttert. Und war dann sofort eingeschlafen.

Gut, sie hatte seltsam geträumt. Aber an den Traum konnte sie sich nicht mehr erinnern.

Warum schaute sie dann jetzt auf ein Tattoo auf ihrem Unterarm, das gestern noch nicht dagewesen war? Woher kam dieses Tattoo?

Sie hatte es schon mit heißem Wasser versucht. Aber es war ein richtiges Tattoo. Keine Seife, kein Geschrubbe half. Danach war ihr Arm leicht gerötet. Aber das Tattoo der Mondphasen blieb bestehen. Als hätte sie es schon seit Jahren.

Es war auch kein frisches Tattoo. Die Ränder waren sauber verheilt. Es war nirgendwo eine Rötung zu sehen. Sieben gleich große Kreise hintereinander weg. Vom Neumond bis zum Vollmond, wobei der Vollmond in der Mitte stand.

Sie starrte auf diese schwarze Farbe auf ihrem linken Unterarm. Sie hatte kein Tattoo. Wie konnte dies hier auf einmal auftauchen?

In der Badezimmertür saß die Katze. Sie musste ihr endlich mal einen Namen geben. Die Katze sah sie an. Ihre Augen verfolgten jede ihrer Bewegungen.

„Weißt du, woher ich dieses Tattoo habe?“

„Nein. Aber du bist gestern Nacht damit nach Hause gekommen.“ Die Katze legte ihren Schwanz einmal um sich herum auf den Vorderpfoten ab.

Sie zuckte zusammen und machte zwei Schritte rückwärts. Dabei stieß sie an den Badewannenrand, verlor ihr Gleichgewicht und plumpste rückwärts in die Badewanne.

Den Schmerz nahm sie kaum wahr, da sie viel zu geschockt davon war, dass die Katze gerade gesprochen hatte. Hatte sie gestern vielleicht doch irgendwas eingenommen?

„Hast du gerade gesprochen?“

„Ich spreche immer. Aber normalerweise hörst du mich nicht.“ Interessiert blickte die Katze sie in der Badewanne an. Sie schaute zwischen ihren Knien auf die Katze.

Dann rappelte sie sich auf und kniete sich in die Badewanne. Das war zu verrückt. Sprach sie gerade wirklich mit ihrer Katze.

„Das ist verrückt.“

„Da sagst du was!“

„Hör auf.“

„Womit?“

„Ich spreche doch nicht mit meiner Katze.“

„Doch tust du.“

„Aber-“ Sie starrte die Katze an. Diese finge an sich zu putzen und schnurrte dann: „Das ist neu. Normalerweise verstehen mich Menschen nicht. Was hast du gemacht?“

„Ich habe gar nichts gemacht.“ Empört kletterte sie nun aus der Badewanne heraus. Sie hatte nicht nur ein neues Tattoo, sondern nun auch die Fähigkeit sich mit ihrer Katze zu unterhalten. Vielleicht drehtes sie durch? Vielleicht hatte sie ihren Verstand verloren?

„Na an das Tattoo kannst du dich ja offensichtlich auch nicht erinnern. Es ist übrigens Zeit fürs Frühstück.“

„Das Tattoo… Wie kann es sein, dass ich mich nicht daran erinnere?“

„Keine Ahnung. Frühstück! Zack zack. Ich habe Hunger.“ Damit ging die Katze aus dem Badezimmer und schnurstracks in Richtung Küche.

Sie starrte den Fleck an, wo die Katze sich eben noch geputzt hatte. Dann starrte sie auf das Tattoo der Mondphasen an ihrem linken Unterarm. Dann starrte sie sich in ihrem eigenen Spiegel an.

Was ging hier vor?

Sprechende Katzen, Tattoos, die über Nacht auftauchten und keine Ahnung, was hier gerade passiert.

Sie hörte ein Maunzen aus der Küche, dass sich verdächtig nach „Wo bleibst du denn?“ anhörte.

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