Inktober 2021 – Tag 20 Keim

Inktober 2021 – Tag 20 Keim

Keim

Der Keim war gesät. Sie würden sehen, wie weit er sich entwickeln würde. Bei dem letzten Experiment hatte es erstaunliche Auswirkungen gehabt. Kriege hatten sich entsponnen, Welten waren zerstört worden. Es dürfte spannend zu sehen sein, wie sich die Lebewesen diesmal verhielten.

Es war niemals das gleiche Spiel. Sie säten zwar immer den gleichen Keim. Aber das war das schöne an der Menschheit: Sie waren so unberechenbar, dass das Ergebnis immer anders war. Und das machte es so vergnüglich.

Sie schlossen Wetten darauf ab. Gab es einen Helden? Kamen die Anzeichen für den Untergang? Gab es eine Wendung, die keiner vorhergesehen hatte? Es war ein amüsantes kleines Spiel für die langen Jahrhunderte, die das Leben ein wenig erträglicher machten. Die Menschen hatten sogar etwas Ähnliches. Sie nannten es Telenovela. Es war fürchterlich, aber weggucken war keine Option. Man musste schließlich auf dem Laufenden bleiben.

Sie verfolgten das Leben der Menschen und das der menschlichen Welt mit großer Freude. Andere Welten kamen einfach immer viel zu schnell dahinter, dass sie ein Spielstein in ihrem Universum waren. Das wurde langweilig. Und lästig. Und manchmal auch kritisch.

Aber die Menschen. Hach, die Menschen beschäftigten sich so wunderbar mit sich selbst, dass es noch nicht einmal nötig war, sich großartig zu verstecken. Sie schauten bis zum Mond und seit neuestem bis zum Mars. Aber darüber hinaus sind sie nie gekommen. Sie hielten sich für die Krönung der Schöpfung. Es war wirklich witzig, ihren Hochmut zu beobachten. Sie schienen nie aus ihren Fehlern zu lernen und schafften es immer wieder, neue irrsinnige Dinge zu erfinden. Die Erfindung der Atomkraft oder auch des Plastiks hatten sehr interessante Konsequenzen. Wer mit offenen Augen durch die Welt ging, konnte sich die Folgen sehr genau ausmalen. Das taten auch einige. Sie wurden allerdings von denen übertönt, die das leugneten. Die Menschheit war wieder einmal auf dem besten Wege in ihr Verderben zu schlittern. Und im Vergleich zu manch anderer Zivilisation setzten sie diesmal nicht auf Götter und mystische Hilfen. Sie hatten es geschafft die Magie und die Energieverschiebungen völlig aus ihrem Dasein zu verbannen. Damit hatten sie sich den magischen Wunder-Ausweg versperrt. Aber wer nicht an Wunder glauben wollte, der bekam auch keine. Für manch andere Zivilisation war es die Rettung gewesen.

Diese Menschheit hier wollte aber wohl besonders dramatisch zugrunde gehen. Es war faszinierend.

„Und wie sieht es aus?“

„Oh, es wird langsam interessant. Im letzten Jahrzehnt hatten wir schon vermehrten Terrorismus, eine Pandemie, diverse Vulkanausbrüche und Fluten. Es dürfte nicht mehr lange dauern bis zum Kollaps.“

„Glaubst du es taucht noch eine rettende Gestalt auf?“

„Diesmal nicht. Alle typischen Anzeichen für eine solche Gestalt sind alle vereitelt worden. Aber ganz ausschließen möchte ich es nicht. Wir haben schließlich schon anderes ‚Unglaubliches‘ gesehen.“

Ein wissendes Nicken war die Antwort.

Beide blickten interessiert in die Nebelschwaden, die ihnen als Leinwand dienten. Gerade stürzte eine Mine ein und begrub ein paar Arbeiter unter sich.

„Willst du denn deine Wette anpassen?“

„Auf gar keinen Fall. Ich bleibe bei meiner Aussage. Es wird jemand oder etwas kommen und das Ruder noch einmal herumreißen.“

„Ts, ts, ts. Du und dein galaktischer Optimismus. Aber mir soll es recht sein. Ich gewinne gerne.“

„Sieh nur, dort…“

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