Inktober 2021 – Tag 30 Schlittern

Inktober 2021 – Tag 30 Schlittern

Schlittern

„Kannst du das Schiff nicht wieder hochziehen?“

„Nein.“

„Aber wir schlittern regelrecht in unser Verderben, wenn wir so ungebremst dort runterkommen.“

„Oh, wow. Der Meister des Offensichtlichen hat gesprochen.“

„Jetzt werd nicht zickig.“

„Ich bin nicht zickig. Aber ich habe gerade alle Hände voll zu tun, um unser Schiff einigermaßen gut herunterzubringen. Und du kommst mit blöden Sprüchen.“

„Wir fallen mit einem ausgefallen Triebwerk und einem kaputten Schild auf ein Gebirge zu. Ich finde, da sind Nachfragen ja mal erlaubt.“

„Klappe!“

„Also wirklich. Das verbitte ich mir. Ich bin hier schließlich nicht irgendwer.“

Es folgte keine Antwort mehr. Suri biss die Zähne zusammen und tippte hektisch auf ihren unterschiedlichen Displays herum. Wenn sie das im richtigen Moment absprengte, dann könnte sie der Rückstoß immerhin von der scharfen Gebirgskante in den immer noch tödlich aussehenden Abhang hinüberschubsen. Der war nicht ganz so steil und endete in einem friedlich daliegenden See. Das könnte theoretisch klappen.

Ihre schnell durchgeführten Berechnungen bestätigten ihre Vermutung, aber nicht ohne von der KI darauf hingewiesen zu werden, dass dies ein unübliches Vorgehen sei.

Das war Suri egal. Sie schrie „Festhalten!“ und bestätigte den Button, der das kaputte Triebwerk nun vollständig absprengte. Sie wurden ordentlich durchgeschüttelt und Maro starrte entsetzt auf sein eigenes Display.

„Hast du gerade-?“

Weiter kam er nicht. Denn jetzt setzen sie auf. Suri zog mit aller Kraft den Steuerknüppel zurück und behielt den Horizont im Auge. Sie mussten den Wald als Bremsmöglichkeit mitnehmen, aber nicht so tief eindringen, dass sie sich an dem Gestein überschlugen. Sie wurden durchgerüttelt. Maro fluchte neben ihr lautstark. Alle Anzeigen blinkten wie verrückt und sie schaltete die Alarme aus. Sie musste sich weiterhin konzentrieren.

Das gesamte Raumschiff minus dem Triebwerk schlitterte über den Wald am Gebirgsabhang, wie ein Kiesel über eine Eisfläche.

Sie schienen nicht langsamer zu werden. Das bereitete ihr Sorgen. Denn sie mussten langsamer werden, ansonsten landeten sie mit dem Schiff im See und da konnten sie es niemals ohne Bergungsteam wieder hervorholen. An Land konnten sie immerhin noch daran arbeiten.

Sie fuhr minimal die Flügel aus. Nur ein bisschen. Und es schien zu wirken. Sie wurden ein wenig langsamer. Der Bremsweg war trotzdem noch erschreckend kurz.

Vor ihnen tauchte ein riesiger Findling auf. Sie steuerten genau darauf zu und kollidierten mit ihm. Er brachte ihren Schwung aus dem Konzept und nun überschlugen sie sich doch. Allerdings langsamer. Es hatte doch alles seine Vor- und Nachteile.

So kullerten sie mit ihrem Schiff noch die letzten Meter bis zum Strand. Dort blieben sie – natürlich über Kopf – schließlich liegen.

Suri atmete tief ein uns aus. Sie stellte alle Systeme ab und kletterte aus ihrem Sitz. Maro war schon auf dem Weg in den Laderaum. Ihre Kunden würden nicht begeistert sein. Die großen Transportboxen waren alle fest vertäut. Aber sie hatten sich mehrfach gedreht. Innerhalb der Boxen würde das gleiche Chaos herrschen wie hier draußen. Suri schloss die Laderampe kurz und öffnete sie. Sie ging nach schräg oben auf. Immerhin war sie landeinwärts gewandt und es kam kein Wasser hinein.

Maro überprüfte alle Transportboxen. Er brummte weiterhin Flüche vor sich hin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: