Inktober Tag 7 – Ventilator

Inktober Tag 7 – Ventilator

Flap, Wuuusch, Flap, Wuuusch, Flap, Wuuusch.

Der Ventilator brummte vor sich hin und verteilte die warme Luft gleichmäßig im gesamten Raum. Es gab keine frische Luft. Schon seit Wochen brütete eine Bullenhitze über der Stadt. Sogar die Fliegen waren es inzwischen müde geworden, durch die Gegend zu fliegen. Sie hockten in der Regel einfach an der Wand und bewegten sich nicht mehr. Es war einfach zu warm.

Flap, Wuuusch, Flap, Wuuusch, Flap, Wuuusch.

Es war später Nachmittag und alle hatten sich nach drinnen verzogen. In die schattigen Bereiche der Häuser und Wohnungen. Am Ende der Straße hatte jemand ein Radio an. Vereinzelte Töne einer Melodie, abgewürgt durch den Radiomoderator, wenn er das Wetter oder die Nachrichten durchgab. Sogar die Kinder waren zu müde zum lautstarken Spielen und lagen am liebsten auf dem Sofa oder auf ihren Betten. Die Hitze raubte allen die Energie.

Es war still und leise bis auf das Rotieren des Ventilators. Dieses gleichmäßige Flap, Wuuusch, Flap, Wuuusch, Flap, Wuuusch war der Sound des Sommers geworden. Er war immer da. Er brachte keine Erlösung und auch keine Kühle. Aber ihn abzuschalten, das brachte die Familie nicht übers Herz. Es mochte alles Illusion sein, aber es fühlte sich noch sehr viel wärmer an, wenn der Ventilator aus war. Und so war das Geräusch zu einem altbekannten Hintergrundgeräusch geworden. Das man erst vermisste, wenn es nicht mehr da war. Wie das Geräusch der Wellen am Strand, das tröpfelnde Dahinfließen eines kleinen Baches, das Radio in der Küche oder auch die tickende Uhr im Wohnzimmer. Die Hitze brachte alle zum Verstummen. Alle dösten vor sich hin.

Und zunächst glaubte man, dass das leichte Brummen und die Vibrationen die man ab und an spürte nur der große Kühlschrank in Giorgios Eisdiele waren. Die Klimaanlage und die Gefriertruhen mussten sehr gegen die Hitze anarbeiten. Da machten sie immer mal wieder Geräusche.

Aber das Brummen verbreitete sich durch die gesamte Straße. Es wurde immer lauter. Man konnte es keiner Quelle zuordnen. Zunächst versuchten alle es zu ignorieren. Aber ähnlich wie bei einem Tinnitus funktionierte das gar nicht gut. Das Brummen und Vibrieren wurde stärker.

Schließlich so stark, dass man das Flap, Wuuusch, Flap, Wuuusch, Flap, Wuuusch des Ventilators nicht mehr hören konnte. Sonnenbrillen wurden irritiert auf die Stirn hochgeschoben. Die Straße belebte sich mit Menschen, die neugierig aus ihren Türen und Fenstern schauten.

Aber es war nichts zu sehen.

Das Brummen wurde immer stärker, man konnte es inzwischen in den Knochen spüren.

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