Interviews mit archäologischen Verlagen: 7 Fragen an LIBRUM Publishers & Editors

interviewreiheMit diesem Beitrag startet eine neue Reihe hier im Blog, die die Verlage für Archäologie, Geschichte und Kulturgeschichte im vorstellen wird. Sieben Fragen habe ich den Verlagen gestellt, die sich freundlicherweise bereit erklärt haben, diese zu beantworten.

Diese Verlage machen eine wichtige Arbeit und ohne die Publikationen der wissenschaftlichen und auch populärwissenschaftlichen Werke würde der Archäologie und Kulturgeschichte ein wichtiger Teil fehlen. Gerade in der heutigen Zeit befindet sich die Buchbranche in einer ganz spannenden Entwicklung: Mit dem Aufkommen von digitalen Medien und Social Media oder auch Auseinandersetzungen zwischen dem lokalen Buchhandel und großen Online-Händlern gibt es regelmäßig neuen Diskussionsstoff. Wie positionieren sich nun die Verlage für Archäologie, Geschichte und Kultur in diesen Diskussionen?

Los geht es mit dem Schweizer Verlag “LIBRUM Publishers & Editors“, für den Dominique Oppler – der Verleger – auf die 7 Fragen antwortete:

Librum

1. Seit wann gibt es den Verlag und wie ist er entstanden?

LIBRUM Publishers & Editors habe ich 2012 gegründet. Wer sich heute noch für eine Verlagsgründung entscheidet erntet meist nur Kopfschütteln. Ein Verlag lebt nicht vom einzelnen Buch sondern von der Fülle publizierter Titel, vom guten Image bei den Autoren, beim Buchhandel und beim Leser. Dass man dies nicht über Nacht erreicht liegt auf der Hand. Ein Verlagsaufbau bedingt langen Atem. Aber es ist nicht primär eine Frage der finanziellen Potenz – es ist die Begeisterung für die Themen und die Liebe zum Buch, die den Erfolg entscheidend mitprägen. Das war denn auch der Motor der zur Verlagsgründung führte. Ich bin nicht neu in der Branche. Über 20 Jahre war ich bereits in Verlagshäusern des In- und Auslandes in leitender Position tätig, bis ich mich vor ein paar Jahren entschied mir einen Jugendtraum zu erfüllen und das Studium der Archäologie an den Universitäten von Fribourg und Basel nachzuholen – weil die Themen mich interessieren und ich meinen eigenen Wissenshorizont erweitern wollte. Archäologie ist eine äusserst komplexe und interdisziplinäre Wissenschaft. Mit dem Studium alleine hat man daher erst die halbe Rechnung. Die Berufsbezeichnung “Archäologe” ist ebenso wenig geschützt wie jener des Architekten, aber es braucht Jahre und Jahrzehnte bis man sich das Wissen und die Fähigkeiten angeeignet hat, dass man den Titel “Archäologe” auch wirklich verdient. Wer also in gesetzterem Alter wie ich ein Studium nachholt muss sich darüber im Klaren sein, und so hatte ich mir vorgenommen meinen bisherigen Beruf mit dem neuen Wissen zu kombinieren und habe parallel zum Studium den wissenschaftlichen Verlag LIBRUM Publishers & Editors gegründet.

2. Wo liegt der Programmschwerpunkt?

Archäologie ist das zentrale Thema unseres Verlagsprogrammes. Aufgrund der hohen Interdisziplinarität dieses Faches ist der Fokus aber auf die historischen und naturwissenschaftlichen Wissenschaften ausgeweitet. Es geht bei LIBRUM also um das kulturelle Erbe. Das Dokumentieren und Archivieren spielt dabei eine grosse Rolle. Aber auch das aus der Vergangenheit lernen ist eines unserer verlegerischen Anliegen. Dabei scheuen wir uns nicht, wissenschaftliche Erkenntnisse gelegentlich auch populär darzustellen. Publikationen, die bei LIBRUM erscheinen, egal ob gedruckt oder in elektronischer Form, sollen visuell ansprechen und gerne gelesen werden. Wir sind der Ansicht, dass auch eine wissenschaftliche Publikation eines ansprechenden Layouts und einer ansprechenden Verarbeitung bedarf. Das Augenmerk gilt daher ganz besonders den stilistischen Fragen, der Typografie, dem Umgang mit Bildern, Grafiken und Tabellen.

aidv bl cover 27 02 20143. Wie stehen Sie zu der digitalen Entwicklung? Ebooks, Digitalisierung, OpenAccess?

Wir beurteilen diese Entwicklung durchaus positiv und führen bereits Ebooks in unserem Verlagsprogramm. Wir legen auch Wert auf digitale Interaktionen, beispielsweise mit der Buchreihe Ausflug in die Vergangenheit: multimediale Apps für iPhone und Androide ergänzen das Buch und können kostenlos heruntergeladen werden. Im Sachbuchbereich schätzt man jedoch das Buch noch immer, besonders wenn mit dem Buch gearbeitet wird. Zudem bedeutet die Produktion von Ebooks für Bücher mit zahlreichen Tabellen, Grafiken und Bildmaterial sehr viel Produktionsaufwand. Kosten die über den marktüblichen Ebook-Verkaufspreis kaum aufgefangen werden können.

4. Wie finden Sie Autoren bzw. wie entstehen neue Buchprojekte bei Ihnen?

Autoren zu finden ist zu Beginn einer Verlagsgründung nicht ganz einfach. In unserem Fall spielte das persönliche Netzwerk eine zentrale Rolle und bald stellte sich auch die Mund zu Mund Propaganda ein. Das Erscheinen der ersten Bücher weitete dann die Werbeplattform aus. Buchprojekte werden an uns herangetragen. Aber unser verlegerisches Verständnis schliesst die Konzipierung eigener Projekte mit ein. Dabei orientieren wir uns am Marktbedürfnis und stehen mit Persönlichkeiten und Institutionen aus Forschung und Lehre in regelmässigem Kontakt.

5. Gibt es etwas, das Sie im letzten Jahr in der Buchbranche besonders begeistert hat oder auch besonders erschreckt hat?

Begeistert hat mich der enorme Publikumserfolg der diesjährigen Buchmesse in Leipzig. Enttäuscht dagegen war ich vom Auftritt einer Vielzahl von Sachbuchverlagen. Einerseits waren die Buchpräsentationen zum Gähnen und inhaltlich gleichen die Verlagsprogramme Gemischtwarenhandlungen ohne klar erkennbares Konzept.

6. Was wünschen Sie sich für die Zukunft für den Bereich der Archäologie-, Geschichts- und Kunst-Verlage?

108-13 Librum Mallorca Cover VorschauIch vermisse im Sachbuchbereich die Verleger. Viele Verlage sind reine Produktions- und Handelsgesellschaften von Publikationen aller Art. Man nimmt was kommt. Ein klares Profil fehlt. Mit Verlegen und Herausgeben hat das wenig zu tun. Ein Verleger hat es in der Hand etwas zu bewegen, kulturell, sozialkritisch, politisch. Es fehlt jedoch an Ideen, es fehlt an Mut sich mit dem eigenen Verlag zu profilieren, die Initiative zu eigenständigen Sachthemen zu ergreifen, und schliesslich der Mut zum verlegerischen Risiko.

7. Zum Schluss natürlich noch die Frage: Was kam gerade druckfrisch aus ihrer
Druckerei?

Bei LIBRUM soeben erschienen ist ein Buch mit den neuesten archäologischen Erkenntnissen zur Ur- und Frühgeschichte Mallorcas und Menorcas. Mark Van Strydonck ist der Autor und der Titel lautet: Von Myotragus zu Metellus. Wir haben dieses Buch auch auf Englisch publiziert (From Myotragus to Metellus) und gleichzeitig mit der deutschen Fassung produziert. Wir meinen, dass dies ein schönes Beispiel abgibt, wie wir uns bei LIBRUM die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse vorstellen.

Website: LIBRUM Publishers & Editors

Twitter: @LIBRUMpublisher

Facebook: Librum Publishers & Editors auf Facebook



0 thoughts on “Interviews mit archäologischen Verlagen: 7 Fragen an LIBRUM Publishers & Editors”

Kommentar verfassen