Moulin Rouge

Ab und zu überkommt es mich und ich gehe ins Ballett. Diesmal ging es in das Stück “Moulin Rouge” im Theater Bonn. Dargestellt vom Royal Winnipeg Ballett aus Kanada. Diese kurzen Gastspiele mag ich sehr gerne. Sie sind nur 1-3 Tage in der Stadt und es hat etwas Exklusives. Und man bekommt großartige internationale Ballettkompagnien zu sehen. Auch letzten Dienstag wieder: Am 3. und 4. November wurde das Ballett gezeigt und ich habe mich riesig gefreut noch eine Karte bekommen zu haben. Es war nämlich fast ausverkauft. Zumindest konnte ich in meinem Umfeld nur einen unbesetzten Platz entdecken.

Moulin_Rouge_TitleDie Handlung ist eine typische Geschichte. Ein Liebespaar in Paris muss gegen diverse Schwierigkeiten ankämpfen. Alles vor dem Hintergrund der trubeligen und lebendigen Stadt und des Nachtclubs Moulin Rouge – mit Kämpfen, Intrigen und Konkurrenz. Eifersucht, Drama, Neid – alles ist dabei. Aber auch ein bisschen Humor. Es ist eine klassische Liebesgeschichte.

Bei dem Tanz handelt es sich um klassisches Ballett, sogar als Cancan getanzt wird. Alles mit Spitzenschuhen. Das erste, das mir auffiel, war die unglaubliche Synchronität der Tänzer. Ich habe selten eine solch synchrone Crew gesehen. Respekt! Denn das ist trotz allem Zählen und Üben immer noch eines der schwersten Dinge beim Gruppentanz. Die Choreographie war aufwendig und gut auf die unterschiedlichen Musikstücke abgestimmt. Die Kostüme zahlreich, bunt und passend zum Stück. Allerdings nach etwa einer Stunde hatte man das Gefühl, das Schema der Choreographie nun durchschaut zu haben. Es gab viele Wiederholungen und mich beschlich eine ganz kleine Langeweile, als ich erneut dieselben Figuren und Abfolgen sah. Es war kurz vor der Pause des Balletts schon fast vorhersehbar. Versteht mich nicht falsch, es war toll. Erstklassig getanzt, Technik und Stimmung waren perfekt, aber mir fehlte ein wenig die Abwechslung. Dafür wurde ich dann aber nach der Pause entlohnt. Denn jetzt wurden erstmals die Spitzenschuhe gegen klassische Tanzschuhe getauscht, die man beispielsweise auch beim Tango trägt. Und genau dieser brachte jetzt die Abwechslung: Tango. Nicht lange, aber er überraschte mich positiv und zeigte nochmal neue Facetten in der Choreographie auf. Auch das Ende des Stückes wartete mit einem dramatischen Finale auf, bei dem ich kurzfristig die Befürchtung hatte, es würde in einem schwammigen herzallerliebsten Happy End enden. Aber dem war nicht so. Und das fand ich toll. Es überraschte, es brachte nochmal einen neuen Aspekt hinein.

MoulinRouge_01Neben dem tollen Ballett und den Überraschungen hatte ich einen besonderen Narren an den Nebenfiguren gefressen. Hier findet sich viel Amüsantes und auch ein paar beiläufige Erzählstränge. Wie etwa der Bäcker, der verzweifelt ganz zu Anfang versucht seine Auslage und das Werbeschild seiner Bäckerei besonders ansprechend zu gestalten. Blumenverkäuferinnen, Tänzerinnen und andere kommen ihm dabei ein wenig in de Quere. Oder der Maler, der zunächst als Konkurrent des Protagonisten auftritt und sich mit diesem ein regelrechtes Mal-Battle liefert und dann aber zu einem guten Freund wird. Die Nebentänzer der Crew, die im Hintergrund die Tische des Moulin Rouge bevölkerten machten die ganze Bühne regelrecht lebendig. Und ich ertappte mich des Öfteren, dass der Blick von dem Pas de Deux der Hauptdarsteller immer wieder auch mal abschweifte um zu diesen Hintergrundfiguren abzuschweifen. Es waren nur kurze Momente, aber auch immer wieder Momente des Schmunzelns.

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Abschließend noch ein paar Sätze zum Bühnenbild: Das war clever. Es war klassisch, passte zur Erzählung und wartete mit ein paar interessanten Zusammenstellungen auf. Es bestand aus ca. 3-5 beweglichen Treppenteilen, die unterschiedlich zusammengesetzt werden konnten und dann entweder einen Hauseingang, eine Brücke oder eine Nachtclubkulisse ergaben. Es waren bewegliche Teile, die von den Tänzern sogar selbst verschoben wurden und ganz natürlich in ihre Bewegungsabläufe eingebaut waren. Dazu gab es noch eine Silhouette von Paris mit einem Eiffelturm, der auch beleuchtet sein konnte, sowie eine Fassade von Moulin Rouge mit dem Extra-Element des typischen Windrades. Es war alles durchdacht und passte wunderbar zu den Tänzen. Es war Hintergrund, Kulisse, aber nie zu aufdringlich. Und es wurde unaufgeregt in den einzelnen Szenen genutzt.

Es war ein rundum bunter und toller Abend und es ist ein wenig schade, dass das kanadische Ballett schon weitergezogen ist. Aber ich bin gespannt auf das nächste Ballettgastspiel.

 

Bilder: Von Royal Winnipeg Ballet via Theater Bonn



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