Philip K. Dick – Blade Runner

Blade Runner ist ein Klassiker der Science-Fiction-Literatur, der 1968 das erste Mal unter dem Titel „Do Androids dream of Electric Sheep?“ veröffentlicht wurde. Ich bin froh, dass ich ihn gelesen habe. Aber ich habe ein paar Probleme mit diesem Buch; das gleich vorweg.

Blade Runner
Blade Runner

In Blade Runner geht es um eine Welt in der Zukunft, in der es Androide gibt. Die Hersteller der Androiden werden immer erfolgreicher. Die Androide sind immer schwieriger als solche zu erkennen. Ihr Aussehen ist völlig dem Menschen angeglichen. Alleine einige wenige Verhaltensformen lassen noch darauf schließen, dass sie nicht menschlich sind. Dies gelingt aber erst nach einem ausführlichen Test. Die Hauptperson ist Rick Deckard, eine Art Kopfgeldjäger der Polizei, der entlaufene Androiden identifiziert und jagt. Diesmal ist er an eine Reihe ganz außergewöhnlich echt wirkender Androiden gelangt und verzweifelt fast an dieser Aufgabe.

Die grundlegende Idee des Romans finde ich sehr spannend: die Frage nach der Menschlichkeit, was macht einen Menschen aus, wie unterscheidet er sich von Maschinen. Und auch die Welt, die Philip K. Dick in seinem Roman skizziert, ist erschreckend und schon fast real zugleich. Zum Beispiel, als Deckard und seine Frau gleich zu Anfang des Romans aufwachen und zuerst eine Maschine benutzen um ihre Stimmung für den Tag festzulegen. Was unterscheidet dies von Tabletten, Vitaminen und vielleicht sogar dem Smartphone oder Wecker, der einen mit stimmungsvollem Licht/Musik weckt? Unsere Schlafzimmer werden immer technisierter. Der Weg ist nicht mehr so lang, wie er vielleicht in den 60er Jahren erschien. Wer von uns hat denn nicht sein Smartphone auf dem Nachttisch liegen? Mal ehrlich.

In dieser dystopischen Welt gibt es eine sektenhafte Religion, die Mercerismus genannt wird. Auch mit dieser Religion setzt sich Deckard auseinander. Am Anfang noch kritischer als zum Schluss des Buches. In dieser zerstörten Welt, die anscheinend so gut wie keine Natur mehr besitzt ist es das größte und beste ein echtes Haustier zu besitzen. Ironischerweise kann sich ausgerechnet der Androidenjäger Deckard kein echtes Tier leisten und hat nur ein elektrisches Pseudo-Tier, das sich wie ein echtes verhalten soll.

Es ist ein relativ kurzes Buch, knapp 270 Seiten. Die Personen werden nicht ganz so ausführlich beschrieben, die Dialoge lassen keine weiteren Schlüsse zu. Mit den Dialogen hatte ich besonders meine Probleme. Entweder lag dies an der Übersetzung oder sie sind auch im englischsprachigen Original ein wenig hölzern. Da bin ich mir wirklich unsicher. Ich dachte aber häufiger bei den gesprochenen Worten, warum kommen diese so kalt und unnatürlich heraus? Liegt es daran, dass Deckard vielleicht doch ein Android ist und er somit charakterisiert wird? Es irritierte mich ungemein. Auch hatte ich das Gefühl, das mir zwischendurch Teile der Gespräche fehlten. Sie knüpften nicht schlüssig aneinander an. Aber vielleicht ist das auch alles so gewollt vom Autor, um die Zerstörung dieser dysfunktionalen Welt zu unterstreichen? Keine Ahnung. Habt ihr das Buch gelesen? Was haltet ihr davon? Liegt es vielleicht an der Übersetzung? Liest es sich im englischen flüssiger?

Es ist in jedem Fall eine interessante Grundidee, die in diesem Roman besprochen wird. Die Welt wirkt einfallsreich. Aber die Geschichte um die Androiden und auch um Deckard hätte vielleicht noch mehr Hintergrunderzählung vertragen und ein bisschen mehr Charakterbeschreibungen.

PS: Übrigens hat Wiebke eine tolle Besprechung zu dem Buch auf YouTube eingestellt, in der sie auf einige weitere Kritikpunkte eingeht und ich kann ihr da einfach nur zustimmen.

 

// Philip K. Dick, Blade Runner, Heyne 2002, 272 Seiten.



0 thoughts on “Philip K. Dick – Blade Runner”

  • Wie Du sagst, ein Klassiker halt. Ich las ihn erst spät, lange nach dem Film, und war ähnlich enttäuscht. Im SF-Bereich gibt’s einige Texte aus den 60er, 70er Jahren, die aus irgendeinem Grund schlecht altern und uns heute altbacken vorkommen. Den Film dagegen … den schau ich immer mal wieder.
    Es gibt übrigens eine Fortsetzung, die 40 Jahre später ein Freund von Dick geschrieben hat, Jeter heißt der Mann oder so ähnlich. Die gefiel mir auch nicht wirklich …
    Liebe Grüße!

Kommentar verfassen