Über das Aufregen

 

Werte Leserinnen und Leser,

es folgt ein Rant oder wie man es damals nannte ein hysterischer Gefühlsausbrauch. Ob der hier im Blog etwas zu suchen hat oder nicht, ist mir ziemlich egal, denn es ist mein Blog. Ich habe die Kontrolle darüber, was hier erscheint, und im Moment steht mir der Sinn nach einem Rant.

Ich könnte mich über viele Dinge aufregen, aber heute ist der Beitrag einzig und alleine dazu da, um sich über das Aufregen aufzuregen.

Wir leben in einer Aufreger-Gesellschaft. Jeder regt sich heutzutage sofort auf. Sei es im Bus, wenn die Klimaanlage nicht sofort angeht, sei es im Auto, wenn der Vordermann 2 km/h zu langsam fährt, sei es im Büro, wo wieder einmal die Kollegen vergessen haben einen persönlich und zuerst und auf dem Silbertablett buckelnd und um Zuneigung heischend eine Information weiterzugeben. Sofort wird sich aufgeregt.

Und wenn das nicht ein Thema ist, über das man sich aufregen kann, dann weiß ich auch nicht.

Das Sich-Sofort-Aufregen muss natürlich auch laut und unmittelbar mitgeteilt werden. Und zwar jedem, den es nicht interessiert. Denn alle anderen regen sich innerlich auch schon über Dinge auf und sind mit sich selbst beschäftigt, da passt so ein Schreihals, der sich lautstark über eine Nichtigkeit aufregt natürlich noch wunderbar auf die Liste der aufzuregenden Dinge.

Und damit sind wir auch schon beim Kern der Geschichte: Es dreht sich nur noch um uns selbst. Jeder − scheint es − hat nur noch sich und seinen Vorteil und vor allem seine ganzen Nachteile im Blick. Jeder ist nur noch „ich“ und natürlich das „Opfer“. Allen anderen kann es gar nicht so schlecht, so elend gehen, wie einem selber. Die größtmögliche Negativität darzustellen ist das neue Hobby des 21. Jahrhunderts.

Wenn jemand fragt „Wie geht es dir?“, kommt zwar noch manchmal das Wörtchen „Gut“, es wird aber unweigerlich sofort von dem Wörtchen „aber“ abgelöst. Und dann gehen die Tiraden los. Die Krankheiten, das Pech, der Stress. Keiner ist mehr ohne und keiner kann mehr ohne.

Was ist aus unserer Gesellschaft geworden, die groß darin geworden ist, sich aufzuregen und zu jammern? Geht es uns zu gut, dass wir unweigerlich das Negative hervorheben müssen? Werden wir zu sehr mit negativen Nachrichten aus der ganzen Welt beschallt, dass wir ebenso etwas von dem eher kleinen Mitleidkuchen abhaben wollen? Haben wir das Gefühl für die Relativität verloren? – Wahrscheinlich!

Wieso können wir uns nicht mehr über die kleinen Dinge des Lebens freuen? Wieso können wir im Bus nicht einfach mal freundlich sein, dem Gegenüber ein Lächeln gönnen und auch mal fünf gerade sein lassen? Wieso können wir nicht mehr zuhören und meinen immer mit einem weiteren noch negativeren Beispiel, mit einem noch besseren Superlativ der Negativität kontern zu müssen?

Was ist aus Höflichkeit, Freundlichkeit und der Lebensfreude geworden? Was ist daraus geworden, das Leben einfach mal zu genießen und zu akzeptieren, dass andere Menschen anders sind, andere Dinge mögen und lieben und dass nicht alle die gleiche Meinung haben?

Ich nehme mich hier ganz und gar nicht heraus. Auch ich verfalle ins Negative. Das schlimme ist nur, wenn alle nur noch sich aufregen und alle nur noch negativ gestimmt sind, ist es verdammt schwer das Gegenteil zu tun. Die Negativität hat eine solche Sogwirkung, das man unweigerlich auf ihre Seite gezogen wird. Aber wollen wir das? Ich für meinen Teil will mein Leben in jedem Fall nicht nur mit diesem ganzen negativen Mist verbringen!

Das war’s mit dem Rant. Das musste mal raus. Ich wünsche Ihnen – werte Leserinnen und Lesern – einen wunderbaren Tag und hoffe, Sie finden an dem heutigen Tag noch etwas Positives und müssen sich nicht zu sehr Aufregen.

Ihre Stephanie Müller

 



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