Kulinarische Krimis in Frankreich

Kulinarische Krimis, die in Frankreich spielen, sind in den letzten Jahren vermehrt veröffentlicht worden. Und was soll ich sagen, die Verknüpfung von Beschreibungen von tollen Landschaften, einem Lebensgefühl und das fast real werdende Beschreiben von kulinarischen Gerüchen, Essen und außergewöhnlichen Getränken mit ein bisschen Spannung rund um einen manchmal abstrusen, manchmal einen klassischen Kriminalfall ist eine hervorragende Erfindung gewesen.

Kulinarische Krimis aus Frankreich.
Kulinarische Krimis aus Frankreich.

Ich weiß nicht genau, wer es tatsächlich erfunden hat. Irgendwo in den grauen Zellen meines Hirns meine ich das schon bei Johannes Mario Simmel gelesen zu haben, aber wer weiß. Vielleicht ist es auch eine dieser schon ewig vorhanden Typen der Literatur, die ähnlich wie die Heldengeschichte schon immer da gewesen waren. Vielleicht war sogar Odysseus nur auf der Suche nach dem nächsten kulinarischen Genuss und die Abenteuer nur Mittel zum Zweck. 😉

Nein, im Ernst, wenn ihr da Beispiele habt, die in die älteren Jahrzehnte weisen, würde ich mich über einen kurzen Kommentar und eine Empfehlung sehr freuen. Ich bin ja grundsätzlich auf der Suche nach neuen Buchempfehlungen. Davon kann man nie genug haben.

Kommen wir zurück in die Gegenwart: In den letzten Monaten und Jahren habe ich gerade solche (kulinarischen) Krimis sehr gerne gelesen. Manchmal waren sie hervorragend und ein wahrer Genuss, manchmal waren sie zum Schmunzeln und manchmal war der Fall spannend, die Sprache und den Rest waren so naja. Ich bin trotzdem froh letztere gelesen zu haben.

Die Leute lesen schließlich völlig unterschiedlich. Das ist mir noch einmal in einem Gespräch mit einer Freundin klar geworden. Bei manchen muss die Sprache schön sein, damit sie Gefallen an dem Buch finden. Bei anderen muss der Plot spannend sein und sie achten gar nicht so sehr auf die Sprache. Bei wieder anderen kann/muss es beides sein. Und bei manchen kann in dem einen Genre der Plot tragend sein und die Sprache egal und in einem weiteren genau anders herum. Etwas, das mir nicht so gut gefallen hat, kann für den nächsten wichtig oder völlig egal sein. Das ist das Schöne an dieser Vielfalt.

 

Die Krimis

Aus Gründen, die man aus der Reiseabteilung einer Buchhandlung kennt, sortiere ich meine Liste auch nach Ländern und Regionen. Dies ist bei weitem keine vollständige Liste; ganz viele Krimis aus diesem Genre habe ich selbst noch nicht gelesen. Dies ist nur eine kleine Auswahl von denen, die ich bereits kenne.

 

Bretagne

Jean-Luc Bannalec, Kommissar George Dupin-Reihe

Jean Luc Bannalec, Bretonische Verhältnisse, KiWi.
Jean Luc Bannalec, Bretonische Verhältnisse, KiWi.

Ohne Espresso kann der werte Herr Kommissar Dupin nicht. Das macht ihn schon einmal sehr sympathisch. Er ist ein verquerer und eigensinniger Kopf und außerdem wie ein Bluthund, sobald er eine Fährte aufgenommen hat. Dann gibt es nichts anderes mehr für ihn. Die Fälle sind spannend, nicht so ganz alltäglich und passen in das Lokalkolorit der Bretagne: ein bisschen rau, ein bisschen wild, ein bisschen duftend. Der Kommissar geht gerne essen und die Bretagne darf mit ihren Köstlichkeiten und sogar ein paar realen Restaurants herhalten. Es gibt inzwischen ein Kochbuch zu der Krimireihe, das ausgesprochen schön gestaltet und sehr informativ ist. Dupin wurde aus Paris in die Bretagne versetzt und ist dementsrpechend ein Fremder und eine komische Gestalt für die Einwohner. Er verhält sich anders, als sie es gewohnt sind und dieses Zusammentreffen zweier Welten gibt der Sache noch einmal extra Pfeffer.

Bisher erschienen bei KiWi:

 

Elsass

Jean Jaques Laurent, Major Jules Gabin-Reihe

Jean Jacques Laurent, Elsässer Erbschaften, Piper.
Jean Jacques Laurent, Elsässer Erbschaften, Piper.

Auch im Elsass haben wir einen frisch versetzten Polizisten, der nun in dem Elsässer Städtchen Rebenheim als ermittelt. Die Fälle lassen sich sehr klassisch an und auch Jules Gabin hat mit den regionalen Unterschieden zu kämpfen. Sein Team ist eine charmante Kombination aus einerseits ehrgeizigem Jungpolizisten und gemächlichem Wir-haben-das-Immer-Schon-So-gemacht-Typ. Aber es sind herzensgute Menschen, die völlig entsetzt sind, als sie nun bei einem Mordfall Überstunden schieben müssen und die Mittagspausen gerne auch mal verlegt werden. Mit den neuen Methoden müssen sie sich erst noch anfreunden. Die Kulinarik ist gesichert durch die Verpflegung der Wirtin, wo Jules Gabin in Ermangelung einer Wohnung wohnt und durch die Mutter des Jungpolizistin, die sich auch als eine traditionelle Elsassköchin entpuppt.

Neben den Kriminalfällen spielt das Fahrradfahren eine große Rolle in den Romanen, man könnte sie auch fast Als Fahrradkrimis beschreiben. Dieses Hobby hat mich dann sehr überrascht, es kommt in jedem Fall häufig vor. Ich wusste jedenfalls nicht, dass das so ein Thema im Elsass ist. Aber man lernt ja nie aus. Was mir besonders gut an diesen Krimis gefällt, ist die Auflösung der Fälle. So klassisch wie sie starten, so einfach bzw. klassisch ist die Auflösung dann nicht. Sie hat immer einen charmanten Kniff oder eine Wendung.

Bisher erschienen bei Piper:

 

Provence

Pierre Martin, Madame le Commissaire-Reihe

Pierre Martin, Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer, Droemer Knaur.
Pierre Martin, Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer, Droemer Knaur.

Endlich einmal eine Frau auf der kulinarischen Krimibühne. Ich habe erst das erste Buch dieser Reihe gelesen (Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer), ich habe mich aber schon dazu entschieden, die Reihe weiterzulesen. Isabelle Bonnet ist auch eine Pariser Großstadtpflanze und hat es im Geheimdienst zu sehr viel gebracht. Nach einem Katastrophenfall möchte sie es etwas ruhiger angehen und fährt in ihren Geburtsort Fragolin in der Provence. Dort wird sie unweigerlich in einen Kriminalfall verwickelt und schlägt sich mit den Zuständigkeiten der regionalen und lokalen Polizei herum. Das Buch hat Witz, Nachdenklichkeit und sogar ein bisschen Action. Der fast schon ein bisschen verquere und komische Assistent, den sie zugewiesen bekommt ist eine großartige Type. Er ist hochintelligent und regelrecht das Mädchen für alles. Er und Madame le Commissaire teilen sich die Vorliebe für rasantes Fahren. Was die Kulinarik angeht, so ist das Essen noch ein ganz klein wenig zurückgesetzt, aber die Getränke stehen hier im Vordergrund und machen Lust auf mehr.

Bisher erschienen bei Droemer Knaur:

 

Exkurs: Luxemburg

Tom Hillenbrand, Xavier Kieffer-Krimis

Tom Hillenbrand, Teufelsfrucht, KiWi.
Tom Hillenbrand, Teufelsfrucht, KiWi.

Gleich nebenan gibt es das Land Luxemburg mit auch sehr empfehlenswerten Krimis. Über die Xavier-Kieffers-Krimis habe ich bereits einmal ausführlicher in den Readalong vom letzten Jahr geschrieben. Der Luxemburger Koch, der immer wieder in kulinarische Kriminalfälle gezogen wird. Er ist ähnlich wie Dupin dann nicht mehr von der Lösung abzubringen. Seien es exotische Früchte, Sushi, Olivenöl, Kartoffeln oder ein Restaurantführer, die Fälle sind außergewöhnlich und machen Spaß. Man lernt außerdem unglaublich viel über die jeweiligen Speisen. Da Kieffer während seiner Fälle die Hälfte der Zeit sehr viel in Europa herumreist und vieles auch in Paris spielt, dachte ich mir, ich nehme den Luxemburger doch noch hier in die Liste auf.

Bisher erschienen bei KiWi:



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