Über die Schwierigkeit eine Rezension zu schreiben

Ich bilde mir zu jedem Buch, das ich lese, eine Meinung und weiß, ob es mir gefällt oder nicht und kann diese Meinung auch in Worte fassen. Ich vergebe Sterne für jedes Buch in Goodreads. Von Freunden, Familie und Kollegen werde ich zu meinen gelesenen Büchern befragt. Das ist alles kein Problem. Und diese Meinung will ich auch im Blog unterbringen. Als ich letztens dann mal nachgesehen habe, wann ich meine letzte Rezension tatsächlich auf dem Blog untergebracht hatte, musste ich sehr weit in die Vergangenheit klicken. Fast über ein Jahr ist das her.

Ein Jahr!

Den Adventskalender 2017 zähle ich nicht mit, das waren kurze Buchempfehlungen und keine wirklichen Buchbesprechungen. Warum schreibe ich so wenig Rezensionen? Ich weiß wie man eine Rezension schreibt. Ich habe meine Meinungen zu den Büchern und ich teile diese auch gerne. Aber darüber schreiben? Irgendetwas scheint mich zu blockieren. Ich habe sogar auf dem Schreibtisch einen Stapel mit (gelesenen) Büchern, die ich gerne intensiver im Blog vorstellen möchte. Der Stapel hat fast die 30 Zentimeter erreicht und das sind nur die Sachbücher. Die Romane, über die ich schreiben möchte, die stehen schon wieder in einer Lücke im Regal. Denn das würde meinen Schreibtischplatz sprengen, wenn ich die ebenfalls zu wackeligen Stapeln dort aufbauen würde.

Also, was ist zu tun?

Die Stapel wachsen, die Anzahl der Blogbeiträge, die sich Buchbesprechung nennen lassen, stagniert. Ist das eine Sache der Disziplin, wie so vieles im Leben? Wahrscheinlich schon. Ich sollte mich hinsetzen und endlich mit diesen Rezensionen anfangen. Je länger die Lektüre zurückliegt, desto schwieriger wird es schließlich. Das Schreiben einer Buchbesprechung könnte zu einer Gewohnheit werden.

Und da ist es wieder: das Wörtchen „Gewohnheit“. Sobald etwas zur Gewohnheit geworden ist, denkt man nicht mehr lange nach, sondern tut es einfach. Wie das Zähneputzen. Vielleicht ist das auch das Problem: Denn, wenn ich nicht mehr darüber nachdenke, was ich beim Schreiben einer Buchbesprechung natürlich tun sollte, wäre das nun gut oder schlecht? Das Schreiben kann/soll zur Gewohnheit werden, nicht das nicht mehr Nachdenken! Dieses Wort „Gewohnheit“ ist praktisch, aber auch gefährlich zu gleich. Es hat wie alles zwei Seiten, schwarz und weiß, gut und schlecht, langweilig und aufregend. Gerade beim Lesen und Schreiben will ich ja neue Horizonte und neue Perspektiven entdecken. Ach es ist eine Krux!

Jedes Mal wenn ich mich in den letzten Monaten an meinen Laptop gesetzt habe, um eine Rezension zu verfassen, lief es folgendermaßen oder ganz ähnlich ab. 😉

 

Prozess beim (Nicht-)Schreiben einer Rezension

18:30 Uhr: Oh, ich könnte heute doch endlich mal eine Rezension schreiben. Der Stapel ist schließlich schon so gewachsen. Es wird wirklich Zeit.

18:31 Uhr: Der Laptop ist an, das Worddokument ist geöffnet. Das Antivirenprogramm startet mal wieder ein Update. Ich schaue nur schnell in die Emails. Dann habe ich das abgehakt und kann mich ganz der Buchbesprechung widmen.

18:32 Uhr: Mist, das Antivirenprogramm blockiert gerade irgendwie alles und verlangsamt alles.

18:33 Uhr: Die Emails sind voller Spam und Newslettern, die ich aktuell nicht lesen möchte. Schnell löschen. Ah, Moment, es gibt schon wieder einen Rabattgutschein bei Taschenkaufhaus/Medimops/interessanter Onlineshop? Irgs, nein, du wolltest doch schreiben. Das kannst du jetzt nicht anschauen. Später! Vielleicht in einer Schreibpause?

18:34 Uhr: Es gab da auch einen Hinweis auf ein interessantes Buch, der Newsletter, der lokalen Buchhandlung macht halt doch neugierig. Gaaaaanz schnell mal im Onlineshop die Beschreibung lesen.

18:45 Uhr: Mist, jetzt habe ich schon wieder drei Bücher meiner Wunschliste hinzugefügt, aber noch kein einziges Wort geschrieben. So geht das nicht. Ich hole mir schnell etwa zu trinken und dann wird geschrieben!

18:46 Uhr: Getränk steht bereit, Browser ist geschlossen, das Buch zum Rezensieren liegt parat. Ich schreiben Autorname und Titel in das Worddokument sowie die bibliographischen Angaben, damit ich das nachher nicht mehr machen muss und mich voll auf den Text konzentrieren kann.

18:47 Uhr: Jetzt kann es losgehen. Ich starre auf das Cover. Hatte ich mir nicht irgendwo Notizen zu diesem Buch gemacht? Aber wo? In welchem meiner vielen Notizbücher/Bullet Journals war das?

18:48 Uhr: Ich gehe auf die Suche nach den Notizen.

19:05 Uhr: Ich habe die Notizen nicht gefunden, dafür aber alte Listen zu Blogpost-Ideen. Da sind wirklich ein paar tolle dabei. Die sollte ich gerade in mein Dokument mit den Blogpost-Ideen übertragen, ansonsten vergesse ich sie wieder. Das dauert nicht lange. Was war das für eine Idee zu diesem kryptischen Wort? Hmmm… vielleicht hilft da eine Googlesuche zur Auffrischung. Was meinte ich damit bloß? – Google wird aufgerufen. Wort wird gesucht. Das Rabbithole des Internets öffnet sich und ….

20:15 Uhr: Was???? Es ist schon viertel nach Acht? Ich habe nichts geschafft! Und ich wollte doch so gerne eine Rezension schreiben. Wo ist die Zeit geblieben? Und ich will ja noch etwas kochen und auch noch die 80 letzten Seiten in dem Thriller auslesen, der gerade auf meinem Nachttisch liegt. Hmmm… Wie mache ich das jetzt? [Der Magen grummelt] Mit leeren Magen kann ich weder denken noch schreiben. Und zu spät zu essen, ist auch nicht gut, dann kann ich nicht schlafen. Wenn ich jetzt schnell etwas koche, dabei ein paar Seiten lese, kann ich mich danach noch mal an meinen Laptop setzen. Und dann schreibe ich rigoros erstmal alles auf, was mir einfällt. Ja, das ist eine gute Idee.

23:20 Uhr: Nach dem Foodkoma auf der Couch eingeschlafen, jetzt den Nacken verrenkt und ins Bett gewechselt, denn ich muss morgen ja früh raus. Die Rezension wird auf den nächsten Tag verschoben. Morgen ist ja schließlich auch noch ein Tag.

 

Das sind die extremen Tage. Noch viel häufiger setze ich mich hin und möchte eine Rezension schreiben und schreibe anstatt dessen einen anderen Artikel. Wie zum Beispiel diesen hier: „Über die Schwierigkeit eine Rezension zu schreiben“.



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