Emily Gilmore

Emily Gilmore

Ich liebe die Gilmore Girls. Lorelai Gilmore ist sozusagen mein Spirit Animal. Ich mag ihren Esprit, ihre Verrücktheit und ihr Mitgefühl. Und natürlich ihre Kaffeesucht, ihre kulinarische Ausrichtung und überhaupt. Rory Gilmore war auf ihre Art auch spannend, mit der Zeit und den Staffeln mochte ich sie aber immer weniger. Sie war mir zu sehr wie Effi Briest; ich wollte sie ständig schütteln und fragen „warum?“.

Das dritte Gilmore „Girl“ im Bunde ist Emily Gilmore. Und bei ihr würde Gilmore Lady wohl besser passen. Sie ist großartig. Fies, herrisch, fordernd, biestig, reich, ein Unikat. Auch wenn man sie als Mutter vielleicht nicht unbedingt haben möchte, ist sie als Figur einfach großartig. Außerdem ist sie ein ganz wunderbarer Gegenpart zu Lorelai und die zwei reiben sich ständig aneinander auf. Hier prallen zwei Welten aufeinander. Und umso amüsanter wird es, wenn sie beide doch Gemeinsamkeiten entdecken. Die Folge, in der Lorelai und Emily gemeinsam ein Wochenende in einem Wellnesshotel verbringen, feiere ich heute noch.

Die Szenen zwischen Emily und Richard sind ebenso großes Kino. Egal, ob sie einer Meinung sind, sich streiten oder darüber entscheiden, wer noch Platz in der Familiengruft bekommt, sie spielen sich die Bälle grandios zu. Emilys Entwicklung in den vier nachgesetzten Filmen (A year in the life) ist auch tatsächlich die einzige Entwicklung, die ich für wirklich gelungen halte. Denn hier passiert noch etwas. Es ist ein würdiger und passender Abschluss für die Geschichte von Emily Gilmore.

Was mich von Anfang an begeistert hat, war die Lebendigkeit und Spritzigkeit mit der Amy Sherman-Palladino ihre Figuren entworfen hat. Bei jeder Figur merkt man die Liebe, mit der sie geschrieben worden ist. Die Dialoge sind großartig und wunderbar schräg und das Tempo war unglaublich (Anfang der 2000er). Solche Nebencharaktere wie Taylor, Kirk, oder auch Gipsy muss man einfach lieben.

Und etwas zu erschaffen, bei dem man vielleicht nicht unbedingt die Person mag, aber trotzdem mit ihr mitfiebert und den Aufbau einer Figur so sehr bewundert, das ist schon eine große Kunst.

Figuren so einzigartig zu machen, dass sie lebendig wirken und überzeugend rüberkommen ist wirklich nicht einfach. Ich stehe noch am Anfang meines Autorinnendaseins und ich stelle mir regelmäßig die Frage, was ist zu viel, was ist zu wenig? Verstehen das meine Leser*innen? Ist das vielleicht zu platt oder zu langweilig? Macht die Figur so überhaupt Sinn? Ich mag Gilmore Girls nicht nur, weil ich meine späte Teenager-Zeit mit ihnen verbracht habe. Ich mag sie auch, weil das handwerkliche Geschick im Hintergrund ein unglaubliches ist. Auch die Dialoge sind fein säuberlich durchgetaktet. Man muss sich nur die Pointen ansehen, die auf den Punkt genau sitzen und dabei nicht nur witzig, sondern auch intelligent sind. Rein aus handwerklicher Schreibsicht kann man sehr viel von der Serie lernen.

Das Internet bietet natürlich vieles und auch einen Zusammenschnitt von Highlights mit Emily-Momenten. Die wollte ich euch nicht vorenthalten.

 

Video: Sara Del Russo

Und schon bekomme ich wieder Lust, die Serie von Anfang an zu sehen. Diesmal mit dem Fokus auf den Dialogen?

Viele Grüße von einer in alten DVD-Kisten kramenden

Stephie

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