Interview mit Alexa Thiesmeyer

1. Was schreiben Sie?

Ich schreibe Kriminalromane – seit ca. zehn Jahren. Davor habe ich Theaterstücke (37 Titel) und einige Kurzkrimis geschrieben.

 

2. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Dass ich als Schülerin den ersten Preis für die beste Schauergeschichte gewonnen hatte, spielte vermutlich eine Rolle, aber echte Impulse bekam ich, als ich für die Lokalredaktion des Bonner General-Anzeigers und den Pressedienst „Frau in Bonn“ journalistisch unterwegs war und diverse Berichte zu schreiben hatte. Damals war Bonn die Bundeshauptstadt, es waren interessante Termine und manchmal witzige Situationen, da hab ich oft gedacht: Wenn ich mal einen Roman schreibe – das muss mit rein! Allerdings blieb mir neben dem Job und meiner Familie (fünf Kinder, mehrere Tiere) kaum Zeit für private Schreiberei. Richtig losgelegt habe ich erst, als die Theatergruppe meines Mannes („Die Startisten“) dringend ein passendes Theaterstück brauchte. In meinem Kopf hatte sich Stoff genug angesammelt! Nach der Aufführung landete das Stück bald bei einem Theaterverlag. Da es ein Erfolg wurde, habe ich mit Vergnügen weitergemacht. Sehr viel später war die Zeit dann reif für den ersten Roman.

 

3. Wo schreiben Sie am liebsten?

Die Bonner Autorin Alexa Thiesmeyer. Foto: Udo Giesen.
Die Bonner Autorin Alexa Thiesmeyer. Foto: Udo Giesen.

Am liebsten schreibe ich zu Hause, wo ich ständig Zugang zu Kaffee, Tee und notfalls Schokolade habe, vor allem aber hin und her gehen kann, wenn mir danach ist. An welchem Platz zu Hause, ist nicht wichtig, meistens bevorzuge ich meinen Schreibtisch.

 

4. Warum Bonn?

Mein Vater war Redakteur bei einer großen Tageszeitung und kam 1950 in die frischgebackene Bundeshauptstadt – wie viele andere. Da war es schwer, hier eine Wohnung zu ergattern, doch nach einigen Monaten konnte die restliche Familie vom Bodensee nachziehen – an die heutige Adenauerallee, nebenan das Auswärtige Amt, ein paar Häuser weiter die Dienstsitze von Bundespräsident und Bundeskanzler. Mit diesen Herrschaften bin ich quasi aufgewachsen, die fuhren fast täglich in ihren Staatskarossen bei uns vorbei.

 

5. Spielt Bonn eine Rolle in Ihren Geschichten und wenn ja, welche?

Ja, in meinen Romanen spielt Bonn immer eine Rolle. Gelegentlich klingt dort die Hauptstadtvergangenheit an. Im neuen Buch „Bonner Verrat“ steht diese Zeit sogar thematisch im Vordergrund. Einen realen Bonner Mord habe ich in dem Roman „Venusberg“ aufgegriffen: Die Ermordung des Diplomaten Gerold von Braunmühl durch die RAF in Ippendorf (1986) – die beiden Täter wurden nie geschnappt.

Ansonsten ist Bonn für mich ein reizvoller regionaler Hintergrund für Geschichten, die so ähnlich auch woanders spielen könnten, abgesehen davon, dass ich da, wo es passt, gern etwas „Bönnsch“ in einen Dialog einfließen lasse. Und schließlich lege ich Wert darauf, die Handlungsorte in meinen Büchern wirklich zu kennen … Bei der Begehung der Orte interessiert mich die Frage: Wie sah das früher aus, was hat sich hier mal abgespielt?

 

6. Welchen Ort sollte jeder einmal in Bonn gesehen haben?

Da ich Sehnsucht nach viel Natur habe, fällt mir als erstes das urwüchsige Melbtal mit der historischen Brücke, der Jungferntreppe und dem Gut Melb ein. Das tief eingeschnittene Tal zwischen Venusberg und Kreuzberg ist viel weniger bekannt als das gleichnamige Freibad und begeisterte schon vor 130 Jahren den italienischen Dichter Luigi Pirandello (Nobelpreisträger 1934), sodass er ein Gedicht darüber schrieb.

Für Arbeitstreffen liebe ich „Kurt der Kaffeeröster“ in Poppelsdorf, besonders am Vormittag, dort lässt es sich auch gut schreiben.

 

7. Was lesen Sie gerade oder haben Sie eine Buchempfehlung?

Ich habe kürzlich „Gesang der Fledermäuse“ von Olga Tokarczuk gelesen und bin von der Nobelpreisträgerin begeistert.

 

8. Gibt es eine andere Stadt, Ort oder Location, an der Sie gerne einmal schreiben würden?

Einen anderen Ort zum Schreiben wünsche ich mir nicht so konkret, eher als unbestimmte Traumvorstellung: Ich würde gern in einem gemütlichen alten Landhaus mit Aussicht auf Berge, Meer oder einen See schreiben. Das kleine Häuschen am Ufer des Bodensees, wo ich mein erstes Lebensjahr verbracht habe, wäre wahrscheinlich ebenso geeignet …

 

9. Treffen Sie sich mit anderen Autoren? Wie vernetzen Sie sich?

Treffen mit anderen Autoren sind mir wichtig, auch wenn ich engere Kontakte nur zu wenigen Autorinnen pflege. Manchmal kommen gemeinsame Lesungen zustande, das finde ich wunderbar. Ich bin Mitglied im „Syndikat“ und im Verein der „Mörderischen Schwestern“, bei denen ich mich aktiv beteilige. Dieses Netzwerk, das Autorinnen, Leserinnen, Lektorinnen, Buchhändlerinnen und andere interessierte Frauen vereint, hat das Ziel, die deutschsprachige Kriminalliteratur aus der Feder von Frauen zu fördern. (Im November 2020 findet die jährliche Vollversammlung der MS erstmalig in Bonn statt, teils mit öffentlichen Veranstaltungen.)


Alexa Thiesmeyer

Alexa Thiesmeyer, Bonner Verrat, Gmeiner Verlag.

Aktuelle Veröffentlichung: Bonner Verrat, Gmeiner Verlag 2019, ISBN 978-3-8392-2531-8, 314 Seiten.

Website: www.alexa-thiesmeyer.de

Facebook: Alexa Thiesmeyer

Instagram: @alexathiesmeyer



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