Judith Arendt, Helle und der Tote im Tivoli

Ich bin in einer Krimiphase und habe eine für mich neue Autorin entdeckt: Judith Arendt. Im September kam ihr neuer Krimi im Atlantik Verlag heraus, der eine neue Kommissarin vorstellt. Helles Jespers ist Kommissarin in Skagen. Skagen ist die nördlichste Stadt Dänemarks, sozusagen am nördlichsten Landzipfel ist sie zu finden.

Judith Arendt, Helle und der Tote im Tivoli
Judith Arendt, Helle und der Tote im Tivoli

Judith Arendt hat sich für ihre neue Krimireihe nun diesen dänischen kleinen Ort ausgesucht und schildert anschaulich die relativ kleine und familiäre Polizeistation und ihre Mitarbeiter. Der erste Teil der Reihe hat es in sich: Ein gut aufgebauter Kriminalfall, starke Charaktere, sich langsam aufbauende Spannung, ein bisschen Grusel und Action und eine runde Auflösung machen rundum Spaß und Neugierde auf mehr.

Helle Jespers sieht sich mit einem Mordfall konfrontiert und beißt sich darin fest. Der brutale Mord fand zwar im Tivoli – einem Vergnügungspark – in der Hauptstadt Kopenhagen statt. Aber als festgestellt wird, es handelt sich um den ehemaligen Gymnasialdirektor von Skagen, ist Helle mittendrin. Und sie lässt sich von den hohen Tieren der Kopenhagener Kripo auch nicht einfach ausbooten und abwimmeln. Sie will dabei sein und bei den Ermittlungen helfen. Schließlich ist es ein Bürger aus ihrer Stadt. Im beschaulichen Skagen hat sie wenig mit Kapitalverbrechen zu tun, ihre Kombinationsgabe und ihre Polizeiarbeit mit einem Fünkchen Intuition versehen, lassen sie aber zu einer äußerst spannenden und interessanten Ermittlerin werden. Mit Durchsetzungskraft, einer guten Portion Trotz und gesundem Menschenverstand schafft sie es, an dem Fall dranzubleiben.

Ich habe selten eine so sympathische, aber auch realistische vielmehr menschliche Darstellung einer Kommissarin gelesen. Sie wirkt echt – mit ihren Ecken und Kanten, ihren Problemen, wie auch ihren Vorzügen – und es würde mich nicht wundern, wenn man sie mit ihrem Hund in Skagen am Strand antreffen würde.

Der Fall ist großstadttauglich, die Atmosphäre aber behaglich kleinstadtmäßig. Man kann den Kaffee und die Zimtteilchen aus den Einsatzbesprechungen förmlich riechen. (Das ist übrigens eine meiner Lieblingsnebenszenen, wenn Helles Mann für sie kocht. Es hört sich alles sehr fantastisch an und ich kann Helle sehr verstehen, dass sie bei diesen Leckereien um so mehr genießt.) Die sich abspielenden Dramen sind dabei schrecklich, aber nicht übertrieben. Ich will hier nicht spoilern, daher ist es schwierig etwas über den Plot, den Täter, bzw. die Täter zu sagen. Sie sind mit ihren Motivationen, Verwicklungen und Egos sehr plausibel beschrieben. Bei vielen Krimis, die aus den skandinavischen Ländern kommen, spielt vor allem die Brutalität der Verbrechen immer eine große Rolle. Der Mord am Direktor in diesem Krimi ist auch nicht ohne, aber ich hatte immer das Gefühl, es ist alles noch im Rahmen. Man hat nicht sofort einen Hollywoodfilm mit wahnsinnig viel Effekthascherei vor Augen. Es wirkt noch realistisch. Und das gilt für den Fall, die Geschichte und die Charaktere.

Ich werde in jedem Fall weiter lesen und mir Judith Arendts andere Krimis auch einmal anschauen. So kann ich die Zeit bis zum zweiten Fall von Helle Jespers überbrücken, den ich natürlich schon neugierig erwarte.

 

// Judith Arendt, Helle und der Tote im Tivoli, Atlantik Verlag 2018, 288 Seiten, ISBN: 9783455002713.



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