The same procedure as every year – Der Jahresrückblick

The same procedure as every year – Der Jahresrückblick

Wir sind mitten in den letzten zwei Wochen des Jahres. Das heißt jetzt kommen die Jahresrückblicke. Eine Zeiteinheit endet, eine neue beginnt. Das ist ein hervorragender Zeitpunkt um einmal zurückzuschauen und dann auch nach vorne zu blicken. Um den Jahreswechsel kommen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft selten so deutlich zusammen. Es ist eine schöne Tradition und als Bullet Journal-Nutzerin und jemand, der gerne Pläne macht, macht mich diese Zeit ganz kribbelig. Kribbelig vor Vorfreude.

Ich freue mich darauf, ein neues Notizbuch anzufangen oder auch einen neuen Redaktionsplan für den Blog aufzustellen. Ich liebe es den Kalender vor mir auszubreiten und auf die 365 Tage zu schauen, die vor mir liegen. Diese vielen Möglichkeiten! Diese vielen Dinge, die man machen kann. Diese enorme Menge an Zeit. Hach!

Aber bevor ich mich dem neuen Jahr widmen kann, muss ich zurückblicken. Was ist passiert? Positiv wie negativ. Was hat funktioniert? Was hat vielleicht auch nicht funktioniert? Welchen Herausforderungen habe ich mich gestellt? Welche meiner utopischen Ziele brauchen vielleicht ein Upgrade oder eine Abwandlung? Was kam vielleicht hinzu, was ich am Ende des letzten Jahres gar nicht bedacht hatte?

Es gibt einiges an Frage zu beantworten. Und jedes Jahr ist ein bisschen anders.

Und jetzt kommt das große ABER.

Ich finde es wichtig, dass ich mir diese Fragen stelle und auch zurückblicke, um dann neue Ziele zu entwickeln. Aber heilige Kokosnuss, das ist eine höllische Arbeit! Jetzt nicht nur emotional, sondern wirklich auch sonst. Man muss altes Bildmaterial durchforsten und es ist keine schöne Sache, wenn frau mal wieder vergessen hat, die unsäglichen Selfies und zusätzlichen Hunderte von Fotos im Archiv nicht zu sortieren und gleich zu löschen, sobald der Favorit ausgewählt worden ist. Es sind Abertausende von Fotos im Handy und auf dem PC, die ich niemals nutzen werde. Auch wenn ich mir beim Fotografieren immer denke, ach komm, die Tasse mit einem Millimeter weiter von links kannst du sicherlich mal gebrauchen. Irgendwann. Dann hast du was auf Vorrat oder für den Blog oder für den Newsletter. Tja, eines kann ich euch versprechen. Ich werde dieses Tassenbild mit einem Millimeter nach links niemals wiederfinden, denn vorher sind 74 weitere Tassenbilder, alle ähnlich, und am Ende mache ich einfach ein Neues, wenn ich eines brauche. Sie liegen wie Blei in meinen Archiven. Und dann Ende des Jahres, wenn ich Bilder für meinen Jahresrückblick brauche, scrolle ich wie doof durch diese Mengen an Bildmaterial.

Am Ende – das passiert regelmäßig – greife ich auf das Fotomaterial zurück, dass ich bereits für andere Blogbeiträge in diesem Jahr herausgesucht, bearbeitet und online gestellt habe. Die #12von12-Beiträge eigenen sich dafür ganz hervorragend. Aber so 100% zufrieden bin ich nicht. Denn im Hinterkopf schlummert die Idee, dass da doch ein paar sehr witzige und einmalige Fotos schlummerten, die ich genau für den Zweck aufgenommen hatte, sie im Jahresrückblick zu bringen. Tja. Das war’s. Ich werde sie niemals wieder finden.

Das zweite große ABER bei dem Thema Jahresrückblick ist: Ich liebe es, den Jahresrückblick geschrieben zu haben.

Aber schreiben?

Das ist eine Qual.

Am Anfang geht es ganz beschwingt los und ich finde tolle Formulierungen und habe ein paar Ideen. Vielleicht sogar ein paar Kategorien, in die ich meinen Jahresrückblick in diesem Jahr strukturieren kann. Und dann geht es los. Die Einleitung ist geschrieben und ich gehe zum nächsten Kapitel über. Mist, das ist zu meinen Lektüren. Das wird lang. Was habe ich denn gleich nochmal gelesen? Und wieviel Seiten war das? Und welche Bücher haben 5 von 5 Sternen von mir bekommen? Das muss ich erst auswerten. Aber da gab es doch noch sehr viel mehr. Ich muss auch noch ein paar der 4,5 Sterne-Lektüren aufnehmen, ansonsten gibt es kein realistisches Bild wieder. Und eigentlich sollte ich doch auch zu jedem Buch noch etwas schreiben. Moment, habe ich die den alle fotografiert? Finde ich die Fotos wieder? Oder sind die auf Instagram und ich verlinke einfach? Jetzt muss ich wieder in die (!) Fotoordner. (s.o.)

Vielleicht sollte ich mein Ablagesystem überdenken. Das könnte ein neues Ziel für 2022 werden. Oh ja und da fällt mir gleich noch etwas ein. Gab es da nicht so eine neue Software? Und schon bin ich auf Google. Grrrr.

Irgendwann (in der Regel im höheren zweistelligen Minutenbereich – zumindest hoffe ich das es der Minutenbereich ist und nicht schon der Stundenbereich…) kehre ich dann zu meinem Textfragment, das einmal der Jahresrückblick werden soll, zurück. Und dann kommt das Zweifeln: Soll ich überhaupt einen großen Jahresrückblick schreiben? Wäre es nicht besser, wenn er aufgeteilt in die Kategorien ist? Also praktisch: Mein Schreibjahr 2021, Mein Lesejahr 2021 usw. usf. Dann hätte ich für die letzte Woche im Jahr in jedem Fall sehr viele Beiträge und müsste mir keine Sorgen über den Redaktionsplan machen. Das wäre doch auch spannend.

Gut, die Arbeit erleichtert es nicht gerade. Und auch jeder einzelne Beitrag benötigt eine Einleitung. Und vielleicht auch eine Verlinkung zu den anderen Beiträgen. Das heißt, im Grunde genommen, ist es sogar mehr Arbeit. Dabei will ich doch einfach nur mein Jahr dokumentieren und euch an meinen Highlights teilhaben lassen. Herje ist das kompliziert.

Ok, vielleicht sollte ich da ganz anders drangehen. Ich speichere den Entwurf erstmal in meinen Dateien und nehme mir Stift und Papier zur Hand. Was wäre, wenn ich nur eine Galerie erstelle? Mit den liebsten Fotos? Gut, dann muss ich doch weiter in die Fotoordner hinabsteigen, aber von nichts kommt ja nichts. Und jedes Foto bekommt einen Satz zur Erklärung und damit hat es sich. So mit schöner Kachelansicht. Das hätte doch auch etwas? Oder? Oder? ODER?

Nein, das überzeugt mich noch nicht. Ich will ja auch ein paar Zahlen und Statistiken unterbringen. Eine aufwendige Infografik mache ich in diesem Jahr aber nicht. Das habe ich bereits einmal ausprobiert und damit war ich volle zwei Wochen beschäftigt. Ohne Einleitung, ohne Text und ohne Fotodschungel. Also danke, aber nein. Auch wenn Infografiken wirklich immer toll aussehen – wenn sie gut gemacht werden.

Ich bleibe beim Text mit Fotos.

Spätestens jetzt stelle ich mir die Frage, wozu das ganze? Wer liest das denn schon? Und brauche ich überhaupt einen Jahresrückblick? Ist das nicht sowas von 90er?

Also schließe ich das Dokument und widme mich einem anderen Schreibprojekt. Aber der Jahresrückblick lässt mich nicht los. In Gedanken komme ich immer wieder zu ihm zurück. Auf einmal fallen mir Formulierungen ein, die gut hineinpassen würden. Und spätestens bei der nächsten Internetrecherche stoße ich durch „Zufall“ über einen schön gestalteten und wirklich gut geschriebenen Jahresrückblick in einem Blog und schon bin ich wieder Feuer und Flamme. Das will ich auch. Und wenn es keiner liest, ist es auch egal. Aber ich will das für mich. Als Erinnerung an dieses Jahr. Los geht es zurück auf Start. Ich öffne das Dokument und …

 

… viele Grüße von einer Stephie, die keine Zeit hat, einen passenden Schluss zu finden, sie steckt mitten im Jahresrückblickblogpost. Wo war noch gleich das Bild aus dem Sommer?

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