Bird by Bird und Pep Talks for Writers // 2 Buchbesprechungen

Der Stapel der Bücher, die ich im Blog besprechen möchte, ist in den letzten Wochen ein wenig groß geworden. Außerdem habe ich seit Ewigkeiten mehr keine richtige Buchbesprechung online gestellt. Es gab viele Sammelbeiträge, TBRs, einen Adventskalender, aber eine tatsächliche Rezension fehlte dann doch. Höchste Zeit das zu ändern.

Wo fange ich an? Am besten im Stapel ganz unten und dann arbeite ich mich hoch.

Ich bin schon seit einer ganzen Weile auf einem Sachbuch-Trip. Ich lese sehr gerne die unterschiedlichsten Sachbücher, Memoiren, Erlebnisberichte und Ratgeber. Eines dieser Bücher heißt Bird by Bird von Anne Lamott. Es wird als DER Schreibratgeber gehandelt und ist in jeder Liste von Büchern übers Schreiben drin. Zuerst war ich skeptisch, wie ich das meistens bin mit solchen dauergehypten Büchern. Aber im letzten November habe ich an Nanowrimo teilgenommen und mich daraufhin in der Schreibratgeberszene etwas umgeschaut. Ich bin dabei auf zwei wirklich gute Bücher gestoßen, die ich euch nun vorstellen möchte. Das eine war „Bird by Bird“ und das andere „Pep Talks for Writers“. Beide waren motivierend, ehrlich, sehr gut geschrieben, mitreißend und man wollte bei beidem sofort mit dem Schreiben beginnen. Das finde ich ein sehr gutes Zeichen bei Schreibratgebern.

Anne Lamott, Bird by Bird. Some instructions on Writing and Life

Anne Lamott, Bird by Bird. Some instructions on Writing and Life
Anne Lamott, Bird by Bird. Some instructions on Writing and Life

Anne Lamott ist amerikanische Schriftstellerin und Dozentin für Kreatives Schreiben. Sie erzählt in ihrem autobiographischen Buch ihre Geschichte des Schreibens. Sie berichtet, in was für einem Haushalt sie aufgewachsen ist – ein Haus, in dem viel gelesen und geschrieben wurde. Sie erzählt, wie sie anfing zu schreiben und welche Herausforderungen sie sich seitdem stellen musste und sich als Autor jeden Tag wieder stellt. Sie berichtet von den Lehren, die sie aus ihrem Schreibleben gezogen hat und an die sie sich auch immer wieder erinnern muss. In ihrer Einleitung schreibt sie „What follows in this book ist what I’ve learned along the way, what I pass along to each new batch of students. This is not like other writing books, some of which are terrific. It’s more personal, more like my classes. As of today, her eis almost every single thing I know about writing.“ (S. xxxi)

Und genau das beschreibt das Buch so wundervoll. Es ist im Grunde genommen ein Schreibkurs, der gespickt ist mit den sehr detaillierten, aber lehrreichen autobiographischen Szenen aus ihrem Leben.

Das Buch ist in fünf Teile geteilt. Lamott beschäftigt sich zunächst mit dem Schreiben selbst (Part 1: Writing), gefolgt von The Writing Frame of Mind (Part 2), Help along the way (Part 3), Publications – and other reasons to write (Part 4) und The Last Class (Part 5).

Die einzelnen Teile sind noch mal in Unterkapitel unterteilt, und sie machen alle Sinn. Auf den ersten Blick erscheint die Aufteilung vielleicht etwas merkwürdig für ein Buch über das Schreiben. Aber das Schreiben ist so eng mit allem bei Anne Lamott verbunden, dass es mehr als Sinn macht, diesem mäandernden und doch wieder strukturierten Gedankengängen über diese Tätigkeit zu folgen. Ein weiterer Punkt, der mir sehr gefallen hat, ist das Lamott Humor besitzt. Immer wieder lässt sie selbstironische kleine Anekdoten einfließen. Wer ein Buch über das Schreiben schreibt und ein Kapitel „Broccoli“ nennt und es schafft, dass es ein wahnsinnig interessantes Kapitel wird, der kann wirklich schreiben.

Die Erfahrungen, aus denen sie schöpft, hat sie gesammelt, seitdem sie mit 8 Jahren das Schreiben anfing. Sie geht freizügig mit ihren Erfahrungen um und das macht das Buch so wertvoll. Denn sie lässt den Leser tatsächlich teilhaben. Und sie wendet sich auch den schwierigen Themen beim Schreiben zu wie der Schreibblockade, aber auch der Eifersucht und den Gefühlen anderen Autoren gegenüber, die erfolgreicher sind.

Anne Lamott ist humorvoll, in keinster Weise weinerlich, wenn sie über die schwierigen Punkte in ihrem Leben schreibt und dadurch sehr motivierend. Sie will ihren Studenten und ihren Lesern etwas mitgeben – und zwar von ganzem Herzen. Und das merkt man dem Buch an. Es ist mit Herz geschrieben und liest sich auch so. Ich empfehle das Buch sehr und vor allem jedem, der auch nur ansatzweise etwas mit der schreibenden Zunft zu tun hat. Es ließ mich auf Autoren, Bücher, Texte noch einmal einen anderen Blick werfen und eröffnete mir neue Perspektiven für meine eigenen Texte. Jetzt verstehe ich, warum dieses Buch überall empfohlen wird.

// Anne Lamott, Bird by Bird. Some instructions on Writing and Life, Anchor Books 1995, ISBN 9780385480017.

Grant Faulkner, Pep Talks for Writers

Grant Faulkner ist ebenfalls ein amerikanischer Schriftsteller und außerdem der Geschäftsführer von Nanowrimo (National Novel Writing Month). 2017 kam sein Buch „Pep Talks for Writers“ heraus, das den Untertitel trägt „52 Insights and Actions to boost your creative mojo“.

In 52 Essays und einem Manifest widmet sich Faulkner allen möglichen Themen von der Erlaubnis eine kreative Person zu sein (die man nicht braucht!) über die Kunst der Langeweile bis hin zur Behandlung des Hochstapler-Syndroms. Die Texte sind sehr kurz gehalten und nehmen meist nur 3-5 Seiten ein.

In diesen sehr kurzen Essays bringt Faulkner seine Themen aber wunderbar auf den Punkt. Mit persönlichen Erfahrungen gespickt aus seiner eigenen Schreibzeit ist jeder Text ein kleiner Motivationsschub. Am Ende eines jeden Textes findet sich noch eine Frage, ein Rat oder eine kleine Schreibübung um das kreative Mojo herauszulocken. Die Texte sind kurzweilig, aber tiefsinnig. Jeder, der gerade auf der Suche ist nach Motivation oder sich leicht erschlagen von seiner Aufgabe fühlt, kann einen Blick in die Pep Talks werfen und mal hier mal da einen lesen.

Es gibt keine vorgegebene Reihenfolge, in der man sie lesen muss. Sie sind von 1-52 durch nummeriert. Am Ende des Buches sind sie außerdem mit einem zusätzlichen Themenverzeichnis noch einmal geclustert. Wollt ihr ein neues Projekt starten? Auf Seite 252 findet ihr die Zusammenstellung der Artikel, die sich damit beschäftigen. Fühlt ihr euch stecken geblieben? Faulkner hat 8 Pep Talks zu diesem Thema geschrieben und gleich noch 7 zu kreativen Zweifeln und wie man ihnen begegnen kann.

Gerade dieses Buch lohnt sich immer mal wieder zur Hand zu nehmen. Es ist ein Buch, dass durch die Kürze seiner Beiträge sich gut unterbrochen lesen lässt. Man kann es aber ebenso am Stück lesen.

// Grant Faulkner, Pep Talks for Writers. 52 Insights and Actions to Boost Your Creative Mojo, Chronicle Books 2017, ISBN 9781452161082.



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