Interview mit A.S. Dowidat

Interview mit A.S. Dowidat

1. Was schreiben Sie?

Die Bonner Autorin A.S. Dowidat. Foto: A.S. Dowidat
Die Bonner Autorin A.S. Dowidat. Foto: A.S. Dowidat

Ich schreibe vor allem Romane, und zwar eher kurze zeitgenössische. Die bislang erschienenen drei Romane sind alle zwischen 180 bis knapp 200 Seiten lang. Das ist offenbar die Form, die mir am meisten behagt. Angefangen habe ich mit Kurzgeschichten, doch irgendwann reichte diese Form meinen Charakteren nicht mehr, die wollten mehr Platz! Tatsächlich lese ich auch am liebsten Romane in ungefähr dieser Länge, vor allem von Wilhelm Genazino und Birgit Vanderbeke.

 

2. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich könnte nicht behaupten, dass ich immer schon geschrieben oder mit knapp drei Jahren angefangen hätte. Die ersten Versuche fallen wohl in die ausgehende Schulzeit und in die Anfangszeit des Studiums, dann kam erst einmal lange nichts; dann saß ich, als ich sämtliche Examina als Theologin und Juristin hinter mir hatte und erst einmal arbeitslos war im Bus zum Bonner Arbeitsamt und dachte: Eigentlich willst Du Schriftstellerin werden. Aber damit kann man ja keinen Arbeitsberater beeindrucken! Also war ich vernünftig und wurde erst einmal für einige Jahre Verwaltungsjuristin, vor lauter Verzweiflung und Langeweile habe ich dann wieder angefangen zu schreiben und es seitdem nicht mehr gelassen. Die Brotberufe wechselten, das Schreiben blieb.

 

3. Wo schreiben Sie am liebsten?

An meinem Schreibtisch. Wenn es möglichst früh am Tag ist, noch besser, wenn es draußen noch dunkel ist, und am allerbesten, wenn es dann draußen noch sehr ruhig ist und die Stille viel Raum für die eigenen Gedanken lässt.

 

4. Warum Bonn?

Ich bin in Duisburg geboren und in Bad Godesberg aufgewachsen, zwischendurch habe ich sechs Jahre woanders an verschiedenen Orten gelebt, und bin vor zehn Jahren zurück nach Bad Godesberg gezogen. Mir gefällt es hier, Bonn ist nicht überbordend groß, aber durchaus international, und der Stadtteil Bad Godesberg hat noch einmal seine eigene Geschichte.

 

5. Spielt Bonn eine Rolle in Ihren Geschichten und wenn ja, welche?

Wer den Roman „Herr Jakob träumt“ gelesen hat, wird darin womöglich Bonner Schauplätze wiedererkannt haben, auch wenn diese nicht explizit benannt sind. Die Idee zum Roman kam mir tatsächlich auf der Poppelsdorfer Allee, diese ist daher stark in meine Vorstellung von einem Ort eingeflossen, an dem sich der schlafende Herr Jakob traumwandlerisch bewegt. An dem Roman, an dem ich derzeit arbeite, spielen Orte in Bad Godesberg eine Rolle, die ich gut kenne, auch sie werden allerdings nicht direkt benannt.

 

6. Welchen Ort sollte jeder einmal in Bonn gesehen haben?

Unbedingt und klassisch: Das Beethoven-Haus! Bei einem Spaziergang auch schön anzusehen: Das Villenviertel in Bad Godesberg mit den gediegenen Industriellen-Villen aus dem 19. Jahrhundert. Wer danach einen Architektur-Schock erleben möchte, besucht das Altstadtcenter in Bad Godesberg.

 

7. Was lesen Sie gerade oder haben Sie eine Buchempfehlung?

Ich lese gerade zum wiederholten Male „Außer uns spricht niemand über uns“ von Wilhelm Genazino. Den empfehle ich jedem, der sich gerne in einer melancholischen Sprache verliert, die die Grotesken des Lebens leuchten lässt.

 

8. Gibt es eine andere Stadt, Ort oder Location, an der Sie gerne einmal schreiben würden?

Im Osten Deutschlands, vielleicht in Templin, Zehdenick oder Prenzlau, wo ich mir das Leben auch gut vorstellen könnte, da ich die Mentalität des Ostens sehr mag. Oft sehr direkt, meist pragmatisch und bodenständig. Und durchaus freudvoll!

 

9. Treffen Sie sich mit anderen Autoren? Wie vernetzen Sie sich?

Mein Netzwerk ist momentan etwas ins Digitale gewandert: Das Montségur Autorenforum ist für mich mittlerweile ein hervorragender Treff- und Austauschpunkt.

Daneben bin ich auch Mitglied im Bundesverband junger Autoren (BVjA e.V.) und in dessen Bonner Regionalgruppe, schaffe es aber leider nur selten zu den persönlichen Treffen.


A.S. Dowidat

Webseite: www.asdowidat.de

Twitter: @twit_lit70

Aktuelle Veröffentlichung: Die Geschichte von Ulrich, der bei Ikea einzog und das Glück fand, erschienen bei Adeo 2020; ISBN: 9783863342777.

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