Moodreader

Bücher und ihre richtige Zeit

Für manche Bücher ist nicht die richtige Zeit. Manche Bücher sollte man erst lesen, wenn man bereit dazu ist. Manche Bücher können ihren Wert/Geschmack verlieren, wenn man sie zur falschen Zeit liest.

Kennt ihr das auch? Ihr beginnt ein Buch, von dem ihr dachtet, das wäre genau richtig für euch. Es wäre genau das Buch, das euch jetzt interessiert. Nach den ersten paar Seiten legt ihr es beiseite. Ihr greift zu einem anderen Buch, bleibt dort hängen, lest es aus. Dann kommt wieder ein neues Buch und noch ein neues. Und das erste Buch, das ihr eigentlich lesen wolltet, verschwindet immer weiter unten im Stapel auf dem Nachttisch. Es ist, als hättet ihr es vergessen.

Aber es liegt noch da. Ganz unten zwar. Aber es ist noch vorhanden. Leise und stetig liegt es dort und mit der Zeit mahnt es immer mehr daran, dass man es ja nicht ausgelesen hat. Aber so richtig Lust habt ihr jetzt nicht dazu. Das Thema ist schon so weit wieder weg, oder es ist zu traurig, euch ist vielmehr nach etwas mit Abenteuer, oder etwas Lustigem. Auf jeden Fall etwas anderem, als dem, was da jetzt angefangen liegt.

Was tun?

Es liegen lassen?

Es wieder ins Regal stellen?

Zurück in die Bibliothek geben?

Wenn ich mich nicht entscheiden kann, werden es halt ein paar mehr Bücher. Das gilt für den Lesestapel wie für das Buchshopping.
Wenn ich mich nicht entscheiden kann, werden es halt ein paar mehr Bücher. Das gilt für den Lesestapel wie für das Buchshopping.

Die Entscheidung ist schwierig. Denn was ist, wenn man es gerade wieder zurück zur Bibliothek gebracht hat und man genau dann wieder Lust hat, es zu lesen? Dann ist es sicherlich wieder ausgeliehen.

Oder man stellt es zurück ins Regal. Aber halb angefangene Bücher wieder zurück ins Regal zu stellen, bevor sie tatsächlich ausgelesen sind, ist ein komisches Gefühl. Als würde man ein angebissenes Brötchen wieder in den Brotkorb legen. Es fühlt sich nicht richtig an. Abgesehen davon ist die Lücke im Regal schon längst wieder geschlossen, seitdem man es herausgeholt hat. Neue Bücher sind eingezogen.

Der Stapel auf dem Nachttisch kann auf eine solche Weise gefährlich wachsen. Er wird zu einer mahnenden Säule des Ungelesenen, des nicht Beendeten. Das kann einen deprimieren, muss es aber nicht.

Ich fange häufig Bücher an, die mich interessieren und die ich für lesenswert halte. Die ich aber vielleicht nicht direkt beim ersten Mal sofort durchlese. Manche Bücher müssen ein wenig liegen – sozusagen in der Sonne trocknen, regelrecht reifen – damit man sie später umso lieber genießen kann. Auch hier fallen mir wieder kulinarische Vergleiche ein: Wein, Schinken, Käse… 😉

Es gibt Phasen, da möchte ich einen Krimi nach dem nächsten lesen und irgendetwas modern Literarisches kann dann noch so schön und hervorragend daherkommen, aber es interessiert mich dann nicht. Ich fange es vielleicht an, stelle fest, dass es im Moment nicht zu meiner Stimmung passt und lasse es liegen. Eine Woche später, kann das schon wieder ganz anders aussehen. Aber vielleicht dauert es auch noch bis zu einem Jahr, bis ich das Buch wieder in die Hand nehme. Ich weiß, dass es ein Fehler wäre, wenn ich ein Buch lese, das in dem Moment nicht zu meiner Stimmung und Laune passt. Wenn ich es erzwinge, kann ich vielleicht begreifen, dass es ein gutes Buch ist. Aber der Spaß am Lesen, das regelrechte Genießen der Lektüre ist dann dahin. Und das wäre schade.

Ich frage mich, ob ich Bücher wie „Miss Peregrins Home for peculiar children“ anders gelesen und bewertet hätte, wenn ich sie zu einem anderen Zeitpunkt gelesen hätte. Oder auch Salingers „Catcher in the Rye“. Ich konnte den Büchern nicht so viel abgewinnen, wie viele andere. Vielleicht lag es daran, dass ich sie zum falschen Zeitpunkt gelesen habe. Vielleicht aber hätten sie mir auch dann nicht so gut gefallen.

Wer weiß. In jedem Fall muss ich richtig Lust auf ein Buch haben, damit ich es weiterlese. Lust auf Krimi, Lust auf Sachbuch, Lust auf einen Roman, Lust auf etwas Historisches oder Lust auf Fantasy. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss jetzt diese autobiographische Reiselektüre von Elizabeth Gilbert (Eat, Pray, Love) weiterlesen.



4 thoughts on “Moodreader”

  • Vor zwei Wochen habe ich aus meinem Bücherregal mehrere nie gelesene, einige halb gelesene und ein paar seit langer Zeit nicht mehr gelesene Bücher herausgezogen und zu einem kleinen Stapel vereint, auf den ich mich sehr freue. Die lange nicht gelesenen habe ich witzigerweise alle 1987 zum ersten Mal gelesen. Jetzt habe ich mich auf Ignazio Silone, Wein und Brot, gestürzt und lese es mit großem Spaß ein zweites Mal. An Vieles erinnere ich mich, Manches ist vergessen gewesen und schwimmt nur langsam wieder nach oben.

    • Wiederlesen ist auch so ein tolles Thema. Man kann so vieles neues entdecken, wenn man ein Buch nochmal liest. Ich habe eine Liste von Büchern, die ich irgendwann nochmal lesen will, weil ich mir sicher bin, ich lese sie wieder anders.

  • Ja, Stimmung und die aktuelle Lebenssituation spielen eine große Rolle beim Lesen. Ich liebe es, wenn das Buch gerade passt, mich stärkt oder einfach unterhält, je nachdem was ich gerade brauche.
    Manchmal bin ich eine bestimmte Art Bücher über und will mal wieder was anderes lesen, daher ist es mir immer wichtig eine gute Auswahl zu haben.
    Aktuell bin ich wieder in diese Falle getappt und habe ein paar angefangene Bücher hier, aber wenn ich sie angefangen habe, weiß ich auch, was mich erwartet und kann genau dann weiter lesen, wenn es wieder passt.

    Liebe Grüße
    Stephanie

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