Mein Lesejahr 2020 – Ein Rückblick

Mein Lesejahr 2020 – Ein Rückblick

2020 war ein sowohl gutes wie auch merkwürdiges Lesejahr. Laut Goodreads habe ich eine durchschnittliche Buchbewertung von 3.5 Sternen. Heute präsentiere ich einen kleinen Einblick in meine Lesestatistiken sowie meine Top-Lektüren in diesem Jahr. Auf der Stereoanlage läuft mal wieder „Last Christmas“ von Wham und wir hangeln uns ganz klassisch von einer Schlemmerei in die nächste. Ein klassisches Weihnachten halt. Also schnappt euch den nächsten Glühwein, Kaffee oder Sekt und macht es euch gemütlich.

 

Die Statistiken

In der Summe habe ich 72 Bücher gelesen. Das sind 19082 gelesene Seiten. (Bis heute 27.12.2020, vielleicht schaffe ich noch ein paar, dann aktualisiere ich diesen Beitrag noch einmal.) Mein Goodreads-Ziel waren 80 Bücher. Da ich aber so gut wie kaum Comics oder Graphic Novels in diesem Jahr gelesen habe – es war nur ein einziges Buch – und dann auch noch sehr viel mehr Sachbücher, die mich einfach mehr fordern und daher länger dauern, war dieses Ziel einfach nicht zu erreichen. Aber das macht nichts. Es ist erstaunlich, dass ich in diesem verrückten Jahr überhaupt so weit gekommen bin.

Ich habe zu jeweils 33% Krimis und 33% Sachbücher gelesen und da sind die Memoiren (1%) und die Essaybände (5%) noch gar nicht drin.

Meinem Ziel, mehr Bücher aus meinen Regalen zu lesen, bin ich nicht nähergekommen. Ich habe wieder sehr fleißig Bücher gekauft in diesem Jahr. Aber ich habe die beste Ausrede überhaupt dafür: Wegen Corona mussten natürlich die unabhängigen Buchhandlungen, Verlage und natürlich die Autoren (Verlagsautoren wie auch Selfpublisher) ordentlich unterstützt werden. Das bedeutet ich habe jede Menge Bücher gekauft, davon aber auch schon eine ganze Menge gelesen. Der „Neu“-Anteil bei meinen gelesenen Büchern beträgt 56 %. Das kann sich doch sehen lassen.

Auch der Anteil der gelesenen Bücher von Frauen ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im Vorjahr hatte ich fast einen Ausgleich zwischen männlichen und weiblichen Autoren. Dieses Jahr überwiegen die weiblichen Autoren mit fast 60 %.

Mein bester Lesemonat war der Juni, da habe ich es geschafft, 10 Bücher zu lesen. Wie nicht schwer zu erraten ist, war es auch der Monat in dem ich Urlaub hatte. Mein schlechtester Lesemonat war der September: Hier habe ich nur drei Lektüren geschafft. Der September war allerdings auch einer der stressigsten Monate im Job, von daher ist es ein Wunder, dass ich überhaupt ein Buch beendet habe (s. Jahresrückblick 2020, wenn ich den jemals fertig bekommen sollte).

Meine Lektüren kamen in diesem Jahr insgesamt aus 12 unterschiedlichen Ländern. Da ist in jedem Fall noch Luft nach oben im nächsten Jahr.

Und jetzt ohne weitere Details und weitere Statistiken, hier sind meine Top-Lektüren aus diesem Jahr:

 

Top 10 Lektüren in 2020

Dies sind die mit 5 von 5 Sternen bewerteten Bücher, in der Reihenfolge, wie ich sie gelesen habe.

Austin Kleon, „Alles nur geklaut“ und „Show your work“

Autor_innen, Künstler_innen und kreativen Menschen sollten die Bücher von Austin Kleon (es sind inzwischen 3) auf jeden Fall lesen. Es sind kleine Peptalks ohne Peptalks zu sein und sie sind richtig inspirierend. Ich liebe diese kleinen fast quadratischen Bücher. Kleon setzt sich mit den typischen Problemen und Herausforderungen eines kreativen Lebens auseinander. Sei es wie man als Künstler_in im Netz sichtbar werden kann, wie man neue Ideen findet oder wie man das Buch schreibt, das man schon immer mal lesen wollte.

 

Kim Thúy, Der Klang der Fremde

Ich liebe Kim Thúys Bücher. Über den „Klang der Fremde“ habe ich bereits im Mai geschwärmt. Den Beitrag findet ihr hier.

 

Ishiro Kishimi/Fumitake Koga, Du musst nicht von allen gemocht werden

An die Gespräche zwischen dem jungen Mann und dem Philosophen denke ich regelmäßig zurück. Auch dieses Buch hat mich im April und Mai beeindruckt und wirkt bis heute nach. Vielleicht sollte ich es in 2021 noch einmal wiederlesen. Den Beitrag findet ihr hier.

 

Jessica Brody, Save the cat writes a novel

„Save the Cat“ war schon ein super Buch. „Save the Cat writes a Novel“ ist zu einem regelmäßigen Arbeitsbuch für mich geworden. Es ist ein Schreibratgeber und enthält jede Menge Tipps und hilfreiche Dinge und zwar in der richtigen Mischung zwischen Erklärung und Beispiel.

 

A.J. Pearce, Dear Mrs. Bird

Dear Mrs. Bird ist ein ganz wunderbares Buch mit starken Charakteren und im Zentrum des Buches steht die Freundschaft zwischen zwei Frauen. Und das mitten im Bombenhagel auf London im Jahr 1941. Emmeline wollte schon immer Kriegsreporterin werden. Ein kleines Missverständnis später findet sie sich aber in einem Job nicht als Reporterin, aber als Assistentin der großen Henrietta Bird, die ein Ratgebermagazin für Frauen herausgibt. Mrs. Bird hat sehr genaue Vorstellungen davon, was schicklich ist und was nicht. Und der Stapel der nicht beantworteten Briefe wird immer größer. Emmeline wird dazu verleitet, im Namen von Mrs. Bird zu antworten. Das hat ganz außergewöhnliche Folgen. Die Geschichte wird mit ganz viel Herz erzählt, die Figuren wirken authentisch und die Spannung fehlt auch nicht. Es steckt sehr viel mehr in diesem Buch, als es auf den ersten Blick erscheint. Und dafür liebe ich es.

 

Emily Henry, Beach Read

Eine weitere Entdeckung in diesem Jahr war für mich Emily Henrys „Beach Read“. Es war wirklich das perfekte Urlaubsbuch. Zwei Schriftsteller, ein Urlaub und jede Menge schnelle, witzige Dialoge mit einer guten Prise Familiendrama. Eine romantische Komödie zwischen zwei Buchdeckeln halt. Es ist nicht platt, es ist sexy, intelligent und definitiv lesenswert. Ich bin sehr gespannt auf Emily Henrys nächstes Buch.

 

Mario Giordano, Tante Poldi und die Schwarze Madonna

Tante Poldi geht immer. Wirklich immer! Und „Tante Poldi und die Schwarze Madonna“ war wieder ein wunderbar wilder Ritt durch Sizilien und diesmal sogar mit einem Abstecher nach Rom und in den Vatikan. Ich habe Tränen gelacht. Es gibt wie immer jede Menge Drama, ein paar Mafiaverdächtigungen und Poldis Geburtstag steht vor der Tür. Der Tod lässt sich regelmäßig blicken, und er wurde selten so amüsant dargestellt. Einzige Ausnahme ist wohl der Tod von Terry Pratchett, aber mit dem kann der Giordano-Tod ohne weiteres mithalten. Wunderbarerweise erfahren wir diesmal auch etwas mehr über so manchen Nachbar von Poldi aus Torre Archirafi.

 

Meike Winnemuth, Um es kurz zu machen: Über das unverschämte Glück auf der Welt zu sein

Die kurzen Kolumnen von Meike Winnemuth bringen mich fast jedes Mal zum Schmunzeln. Das Buch habe ich praktisch in einem inhaliert. Definitiv wieder ein Kandidat zum Wiederlesen. Ich mag ihren Humor. Es geht um Alltägliches, Banales und natürlich Lebenswichtiges.

 

Sarah Knight, Get your shit together

Der Titel sagt eigentlich alles! Sarah Knight bringt es auf den Punkt. Und es ist ein tolles Selbsthilfebuch, das auf die esoterische Weihberäucherung total verzichtet. Down to earth, mit einer guten Portion schwarzem Humor und jeder Menge Beispielen aus dem eigenen Leben. Ähnlich wie in „The life-changing magic of not giving a f**k“ schaut Knight sich an, was ihr (oder dir) persönlich am besten tut und was sie wirklich braucht. Dazu gehört eben auch mal Nein sagen oder sich von Menschen trennen, die einem nicht gut tun. Nur wenn man sich selbst wohl fühlt, kann man auch positive Veränderungen in anderen Lebensbereichen erreichen und seinen Shit zusammenkriegen.

 

@kriegundfreitag, Schweres Geknitter

Wer @kriegundfreitag nicht kennt, der hat in den letzten Jahren dann doch etwas in den Sozialen Netzwerken verpasst. Es gibt so viel Schlechtes, Hatespeech und wirklich viele Irre in den Sozialen Medien. Aber ab und an stolpert man auch über etwas Gutes, wie zum Beispiel kreative Menschen. Und genau dazu gehört @kriegundfreitag. Seine Cartoons aus Strichmännchen sind einfach nur großartig. Mal philosophisch, mal humorvoll und mal so richtig böse. Lesens- und anschauenswert! @kriegundfreitag ist auf Twitter und auch Instagram zu finden.

 

 

Weitere erwähnenswerte Lektüren

Die folgenden Bücher will ich nicht unerwähnt lassen, denn sie haben mir sehr viel Freude bereitet. In der Goodreads-Bewertung hatten sie alle 4 von 5 Sternen.

Stephen King, On Writing: A Memoir of the Craft

Überheblich, was ein Arsch, oh das ist vielleicht doch ganz interessant, wow! Das war ungefähr meine Lesereaktion von dem berühmten Schreibratgeber von Stephen King. In der ersten Hälfte hätte ich ihn fast aufgegeben und nicht zu Ende gelesen. Gut, dass ich das doch noch gemacht habe.

 

Adriana Jakob, Tödliches Klassentreffen

Adriana Jakob ist das Pseudonym von Adriana Popescu, einer Autorin, der ich schon seit langem auf Instagram folge. „Tödliches Klassentreffen“ ist ihr erster Krimi und den hat sie im Selfpublishing herausgebracht. Die Story ist super und besonders gefallen haben mir ihre Dialoge, die kurz, knackig und überraschend waren. Ich sollte mir auch mal ihre anderen Bücher ansehen. Ach so und der Krimi spielt in Stuttgart, also definitiv etwas für Stuttgart-Fans, aber als Krimi auch etwas für alle anderen.

 

Dominic Smith, Das letzte Bild der Sara de Vos

Wer sich in einer spannenden Geschichte um eine wenig bekannte Künstlerin, eine Fälscherin und einem vielleicht nach Jahrzehnten zu lüftendem Geheimnis verlieren möchte, der sollte ganz dringend „Das letzte Bild der Sara de Vos“ lesen. In abwechselnden Kapiteln begleitet man Sara de Vos im 17. Jahrhundert, den späteren Besitzer des Bildes in New York und eine australische Fälscherin. Ihre Geschichten werden kunstvoll miteinander verknüpft und man fiebert bis zur letzten Seite mit.

 

Ömür Iklim Demir, Das Buch der entbehrlichen Gedanken

Kurzgeschichten, die locker miteinander verknüpft sind: So etwas liebe ich ja. Die Sprache ist sehr wunderbar und gibt die Alltagsgeschichten und -sorgen von sehr normalen Menschen wieder. Manchmal wird man aus diesem Lesefluss von dem Humor oder einer kuriosen Figur herausgeholt oder aber durch etwas so Einschneidendes wie einem Bombenanschlag mitten in Istanbul. Es ist eine sehr gute Mischung von auf und ab. Das Buch erhielt mehrere Literaturpreise in der Türkei und ich kann sehr gut verstehen, warum.

 

Austin Kleon, Gib nicht auf

Der dritte Band von Kleons wunderbaren Büchern durfte in diesem Jahr natürlich auch nicht fehlen.

 

Fang Fang, Wuhan Diary

Lest dieses Buch! Ich habe bereits in diesem Jahr darüber gebloggt.

 

Tanja Hanika, Roadkill

Ein Paar nimmt eine andere Route auf dem Heimweg. Sie kommen an einem liegengebliebenen Bus vorbei. Kurz darauf steht der Busfahrer blutüberströmt mitten auf der Straße. Sie entscheiden sich, zu helfen. Und die Gruseltour im Wald beginnt. Sie treffen auf weitere Fahrgäste aus dem Bus und schnell ist klar, es gibt einen Mörder unter ihnen. Oder vielleicht auch mehr als einen? Tanja Hanika schafft es wieder mal, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag: Es ist ein atemraubender Ritt durch eine Nacht in einem abgelegenen Waldteil. Mit dabei sind eine verlassene Tankstelle, ein geheimes Hexengrab und ein paar verzweifelte Menschen, die vor der Frage stehen, wieviel sie bereit sind, für ihr Überleben zu tun.

 

M.C. Beaton, Agatha Raisin and the Wizard of Evesham

Agatha Raisin in ihrer alten Bestform. Die letzten zwei Bände waren ein wenig schwächer, aber in „Agatha Raisin and the Wizard of Evesham“ erlangt Agatha Raisin ihre alte Stärke und Witz zurück. Diesmal geht es um einen Friseur, jede Menge Haarexperimente und die Geheimnisse aus der Vergangenheit. Genau das richtige für den Herbst.

 

Martin Walker, Bruno, Chef de police

Martin Walkers Bruno wurde mir schon regelmäßig als Lektüre vorgeschlagen, ich habe es aber nie gelesen. Jetzt war es soweit. Zum Glück. Der Dorfpolizist Bruno wartet mit wunderbaren Beschreibungen der französischen Dorfküche auf, überrascht aber auch in kriminalistischen Fragen mehr als einmal. Es ist eine wilde, aber ebenso passende Mischung aus Fußball, gutem Essen, Kartoffeln, die in Auspüffe gesteckt werden, Neonazis und Fehden, die bis in den zweiten Weltkrieg zurückreichen. Ich bin neugierig auf den zweiten Band in der Reihe.

 

Debbie Young, Best Murder in Show

Und gleich noch ein weiterer Cozy Mystery hat es auf meine Liste geschafft. Diesmal wieder in einem kleinen englischen Ort und die Protagonistin beginnt einen neuen Job in der lokalen Buchhandlung. Es ist ein Ort, der mindestens so gerne kuriose Feste feiert wie Stars Hollow in Gilmore Girls. Es beginnt beispielsweise mit einer Parade und die örtliche Schreibgruppe hat sich als ihre Lieblingsautoren verkleidet. Herrlich bizarr und cozy.

 

Das waren also die Highlights meines Lesejahres. Über meine Lesepläne für das nächste Jahr werde ich wohl einen eigenen Beitrag schreiben. Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit meinem Lesejahr. Ich habe viel Neues ausprobiert, manches werde ich weiterverfolgen, anderes nicht. Und trotz Stress und diverser Hürden konnte ich das Lesen zu einer regelmäßigen Gewohnheit machen. Jetzt müsst ihr mich bitte entschuldigen, da warten noch ein paar Bücher auf mich und vielleicht beende ich ja tatsächlich im alten Jahr noch ein weiteres.

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